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25
Nov
2010

In einer erdfernen Welt

„In einer erdfernen Welt“ von Hans Zengeler

EW
erschienen im Shaker Verlag 2010, 164 Seiten, 14,00 EUR

„Das Leben ist ein Theaterstück ohne vorherige Probe.
Darum singe, lache, tanze und liebe ...
Und lebe jeden einzelnen Augenblick deines Lebens,
bevor der Vorhang fällt und das Theaterstück ohne Applaus zu Ende geht.“

Charlie Chaplin, 1889 – 1977



Der Schriftsteller Hans Zengeler hat für seinen neuen Roman in Berichtform „In einer erdfernen Welt“ einen Stoff gefunden, der brandaktuell ist und sehr eindringlich die Landschaft der Verzweifelung, die Unsicherheit angesichts des Todes, die Einsamkeit, menschliches Versagen und das Altwerden in einem Alten- und Pflegeheim sichtbar macht.

Und von diesem Lebensstoff muss erzählt werden.
Von der letzten Rolle.
Der letzten Rolle des Schauspielers Moritz Sonderberg, die er sich ganz anders vorgestellt hatte.
Nach einem Schlaganfall und keiner günstigen Prognose findet er sich plötzlich auf einer Demenzstation eines Alten-und Pflegeheimes wieder. Kein Wunder also, wenn er auf Seite 46 feststellt: „Wäre schön, wenn man hier tatsächlich noch eine Rolle spielte, leider sind einem aber bei Eintritt sämtliche Textbücher abgenommen, sie verstehen?“
Und er fängt an, „sich durch die Zeit zu atmen“. Frühlingsdüfte oder die geliebte Bühnenluft muss er „gegen Altersgerüche und den Geruch des Zerfalls“ eintauschen.
Sich nicht unterkriegen lassen, von nichts und niemanden, das wird Sonderbergs Devise.
'Und lebe jeden einzelnen Augenblick deines Lebens' mag hier zynisch wirken, aber Sonderberg, der Sonderberg, wie er immer von Theaterleuten und Presse genannt wurde“, nimmt nach schwerer Anfangszeit seinen Stift und Papier, fängt an zu schreiben. Gerade um Leben zu spüren, dort wo er auf den Tod wartet. Vielleicht wird er das aufgezwungene Leben als Theaterstück verarbeiten und die achtundzwanzig Bewohner und Bewohnerinnen seiner Station übernehmen dabei eine Statistenrolle.

Mit Frau Strittmatter und Herrn Wagenseil, zwei seiner Statisten, skizziert Moritz Sonderberg völlig gegensätzliche Mitbewohner. Herr Wagenseil hat seine Lebenswelt über die Ränder der bekannten Welt verlassen, ist hinaus- und hineingefallen über einen gelben Fleck an der Wand, in ein Jenseitiges, in eine Wirklichkeit, die man nicht zu fassen vermag. Er sitzt tagaus und tagein in seinem Rollstuhl und starrt auf diesen ominösen Fleck.
Die gegensätzliche Rolle übernimmt Frau Strittmatter. Ihre Agitiertheit, Redseligkeit, Streitsüchtigkeit aber auch Schlagfertigkeit, obwohl sie wegen ihrer Demenz oft im Unrecht ist, gibt der Szene eine fast frische Lebendigkeit.
Und immer wieder unternimmt Moritz Sonderberg eine Reise in seine Vergangenheit. Er lässt Bilder Revue passieren und stellt dabei verbittert fest: „ Du hast so gelebt, dass du jetzt allein bist. Im Alter bekommt man die Rechnung präsentiert ...
... Du hast geglaubt, niemanden zu brauchen, niemals. Geschieden, kinderlos, keine ausgesprochenen Freunde, Kollegen ja, aber keine Freunde. Du hast immer für dich und die Bühne gelebt und gedacht, das Ende werde dich hoffentlich auf der selbigen ereilen, mitten im Spiel.“


Erneut nimmt Sonderberg einen Anlauf, um aus dem Pflegeheim in seine Wohnung zurückzukommen. Er schreibt seiner geschiedenen Ehefrau. Er stellt sich vor, wie es sei, wenn er mit ihr im Park spazieren gehen könnte. Und dann würde er sie bitten, ihn mitzunehmen: „Nimm mich mit. Nimm mich um Gottes Willen mit. Egal wohin. Nur weg.“
Ein Hilferuf, ein Schrei, den erneut niemand hört.

Und wieder wird er schreiben, der Schauspieler, um nicht zu fallen, um keine Depressionen zu bekommen.
Beobachten. Festhalten. Messerscharf gestochene Bilder.
Zum Beispiel das Verhalten des Personals gegenüber den Bewohnern. Ihre Zeitnot. Ihren Personalmangel. Ihr Verhalten im Berufsalltag gegenüber den BewohnerInnen.
Oder Erinnerungen an seine Mutter, die ihn, mehr als ihm lieb ist, einholen.
Sein Berufsleben spult sich vor seinem inneren Auge ab und er hat die Zeit, um gewissenhaft zu dokumentieren.

Dann kommt der Tag, an dem sich nochmals alles verändert.
Er lernt die etwas ältere Lisbeth kennen. Während sie im Park strickend auf einer Bank sitzt, erzählt er ihr von seinem Leben als Schauspieler. Lisbeth hört ihm aufmerksam zu, bis sie an der Reihe ist, aus ihrem Leben zu berichten. Diese Treffen erfolgen nun Tag um Tag und bei Sonderberg flackert ein Licht auf. Es ist eine Wärme, die ihm seit Monaten, ja vielleicht seit Jahren gefehlt hat. „ Ich bin sicher: Ich habe mich verliebt. Und ich schäme mich überhaupt nicht, ich genieße es!“„Weil ich nun jeden Tag etwas habe, worauf ich mich freuen kann. Ich stehe morgens auf und weiß, am Nachmittag werde ich Lisbeth treffen.“

Moritz Sonderbergs Sicht auf die Zeit und das Alter hat sich durch Lisbeth plötzlich verändert. Es ist nicht mehr der jugendliche Aufstieg auf einen hohen Berg, sondern eine Höhenlandschaft voller Überraschungen und Wendungen. Und er läuft vor der Verantwortung nicht mehr davon. Trotz seiner Krankheit unternimmt er Zukunftsträume, baut Luftschlösser, um mit Lisbeth eine Wohnung zu suchen, ins Theater zu gehen, zu lesen und zu leben.

Das Buch von Don Quichote und ein von Lisbeth selbst gestrickter Pullover liegen eines Tages in seinen Händen und wieder wird eine Wendung sein Leben verändern.

Dem Autor Hans Zengeler ist etwas ganz Besonderes gelungen. Ungeschönt beschreibt er in einem aussergewöhnlichen Roman die Innen-und Außenwelt eines Mannes, der vor der langsamen Auslöschung seiner Identität steht. Bis an die Grenzen des Erträglichen geht der Schriftsteller mit dieser literarischen Studie.
Technisch benutzt Zengeler die Gestaltungsmittel des Films und des Theaters. Es gibt eine Aufblende, eine Abblende und einen Vorhang, der zum Schluß fällt. Und dazwischen spielt sich das Leben von Moritz Sonderberg ab, das auf den Endpunkt zu läuft.


Jeder altert. Und den allermeisten gefällt das überhaupt nicht. Dieses Buch zeigt auf, dass die Jugend kein Zustand auf Dauer ist. Unser Leben ist endlich. Dieser Gedanke wird zu gern verdrängt.
Tucholsky stellte fest: „Und Junge begreifen nie, dass sie alt werden können.“

Der Roman „In einer erdfernen Welt“ in Berichtform ist nicht nur ein Lesemuss für Menschen, die das Leben als eine fortlaufende Entwicklung erkennen wollen.
Es sollte auch ein absolutes Muss für alle pflegenden Berufe sein, um Sensibilität herauszufordern, die für ein Arbeiten mit alten und kranken Menschen absolut notwenig ist.
Zengeler hat mit Moritz Sonderberg einen unglaublich sympathischen Helden geschaffen. Er gibt ihm eine Stimme, die ergreifend vom Leben in einer Lebensverwahranstalt erzählt und die Würde des Menschen eindringlich verteidigt.

„... Darum singe, lache, tanze und liebe ...
Und lebe jeden einzelnen Augenblick deines Lebens,
bevor der Vorhang fällt und das Theaterstück ohne Applaus zu Ende geht.“

jbs

25.Novemer 2010

Die kursiv beschriebenen Textstellen sind Zitate aus dem Buch.

Trailer zum Buch " In einer erdfernen Welt"

http://www.youtube.com/watch?v=gtV13ciBxNI

Link zum Shaker-Media-Verlag
http://www.shaker-media.de/de/content/bookshop/index.asp?ISBN=978-3-86858-442-4&ID=2

Homepage des Autors: http://www.zengeler.de

19
Nov
2010

Im Blau deiner blauen Augen

IMG_2222
Blick auf Nordstrand, 2010

Volare, oh, oh! Cantare, oh, oh, oh, oh!

http://www.youtube.com/watch?v=X7t8mTKlbMY
( Ein viel zu kurzes Video, schade )

Ich denke, dass solch ein Traum nie zurückkehren wird
Ich malte mir die Hände und das Gesicht blau
Dann wurde ich plötzlich vom Wind mitgerissen
Und ich begann, in den unendlichen Himmel zu fliegen

Fliegen, oh oh ...
Singen, oh,oh,oh...
In blau gemaltes Blau
Froh, dort oben zu sein

Und ich flog, flog glücklich
Höher als die Sonne und sogar noch höher
Während die Welt langsam verschwand, weit unter mir
Spielte eine sanfte Musik nur für mich

Fliegen, oh, oh, ...
Singen, oh, oh, ...
In blau gemaltes Blau
Froh, froh dort oben zu sein

Aber alle Träume verblassten im Morgengrauen, denn
Während des Sonnenunterganges nimmt der Mond sie mit sich fort
Aber ich träume weiter in deinen schönen Augen
Die so blau sind wie ein sternerfüllter Himmel

Fliegen, oh, oh, ...
Singen, oh, oh, ...
Im Blau deiner blauen Augen
Froh, froh dort unten zu sein

Und ich fliege fröhlich weiter
Höher als die Sonne und sogar noch höher
Während die Welt langsam in deinen blauen Augen verschwindet
Deine Stimme ist eine sanfte Musik, die für mich klingt

Fliegen, oh, oh, ...
Singen, oh, oh, ...
Im Blau deiner blauen Augen
Froh, froh dort unten zu sein

Im Blau deiner blauen Augen
Froh, hier unten zu sein

Quelle: http://lyrics.wikia.com/lyrics

13
Nov
2010

haiku 51

haiku

romantische zeit
schimmelgespann statt landhai
bis der regen fällt

jbs

Suedtirol-2009-083
Meran 2009

8
Nov
2010

"Die Kunst ist der Statthalter der Utopie"

"Die Kunst ist der Statthalter der Utopie"

"... Literatur kann uns doch hin und wieder erschüttern und bewegen, d.h. es entfacht wieder diese Hoffnung, es könnte anders sein, es müsste anders sein. Es entfacht die Sehnsucht wieder, es macht uns wieder lebendig. Ja, nehmen wir das schöne große Wort von Benjamin, dass ich so gern habe, du kennst es, es sagt: "Die Kunst ist der Statthalter der Utopie." Und allein das würde schon die Exitenz der Kunst legitimieren."

aus: Max Frisch, Was ist der Sinn von Literatur
http://www.youtube.com/watch?v=zhavQ5Yr8yc&feature=related

Passend zu obigem Frisch-Zitat die
Leseprobe zu

"In einer erdfernen Welt"
von Hans Zengeler

http://www.zengeler.de/erdfern.htm

2
Nov
2010

Julio Cortázar

Habe gerade die "Erzählung mit einem tiefen Wasser" von Julio Cortázar gelesen.
Ein Dialog - ein Monolog? Die Realität ein Traum? Das volle Leben im Schilf am Flussufer - die kühle Stille im Strudel des Flusses. Der Redselige und der (scheinbar) Stumme.
Eine Prosa, die man erst aus der Hand legt, wenn die letzten Buchstaben den Weg durch die Linse des Auges gefunden haben.

Cortazar
Bildquelle: http://bilder.buecher.de/produkte/28/28006/28006577k.jpg

"In Cortázars Geschichte passiert nicht viel. Ein Bungalow im Delta des Rio de la Plata, abgeschieden von der Stadt Buenos Aires, ein Zwiegespräch - oder ist es ein Monolog? Eine Erinnerung an eine Begebenheit, eine Szene vor Jahrzehnten, die in dieser Nacht am Fluss wieder plastisch wird, weil sie auch Traum und Prophezeiung war und sich nun zu erfüllen scheint. Die Geschichte spielt mit den Möglichkeiten einer surrealen Situation, in der natürlich auch der große Fluss, das Licht des Mondes und die Geräusche der Tiere, des Schilfes und des Wassers eine Rolle spielen."

aus: Leipziger Intenet Zeitung
http://www.l-iz.de/Bildung/B%C3%BCcher/2010/10/Franziska-Neubert-Die-naechtlichen-Lichter-am-Fluss.html

18
Okt
2010

Die Axt für ein gefrorenes Meer

„Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“
Franz Kafka

Philippe Claudel, Jahrgang 1962, ist ein französischer Schriftsteller. 2006 erschien von ihm das Buch „ Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung“ im Rowohlt Verlag.

Zuerst ist man verwirrt, da „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ von Eric Emmanuell Schmitt längst Eingang in unseren Kopf bekommen hat - und nun ein fast gleicher Buchtitel?
Im Original heißt der Roman von Philippe Claudel „ La petite fille de Monsieur Linh“ ( „Die Enkeltochter des Monsieur Linh“).
Es liegt nahe, dass aus verkaufstaktischen Gründen der französische Buchtitel nicht für den deutschen Buchmarkt übernommen wurde.

Die Geschichte erzählt von einem Greis aus asiatischem Raum, der mit seiner erst ein paar Wochen alten Enkelin als Flüchtling nach Frankreich kommt. Völlig geruchlos empfindet er diese Welt, in der er sich zurecht finden muss, weil er für seine kleine Enkelin aus der zerbombten Heimat geflohen ist.
Schon nach drei Seiten ( auf Seite 10 des Buches) erahnt der Leser, auf was er sich emotional einlassen wird:

„ Der alte Mann ist losgelaufen. Außer Atem ist er beim Reisfeld angekommen, von dem nur noch ein riesiges, mit plätscherndem Wasser gefülltes Loch übrig war, und am Rand des Kraters lag der aufgerissene Kadaver eines Büffels. Sein Joch war zerknickt worden wie ein Strohhalm. Dort fand er auch die Leichname seines Sohnes und dessen Frau sowie, ein paar Schritte weiter, die Kleine, mit weit aufgerissenen Augen, in Windeln gewickelt, unversehrt, und neben ihr eine Puppe, ihre Puppe, so groß wie sie selbst, der eine Explosion den Kopf abgerissen hatte. Das kleine Mädchen war zehn Tage alt. Ihre Eltern hatten sie Sang diû genannt, was in der Sprache ihres Heimatlandes >> süßer Morgen << bedeutet.“

Monsieur Linh fühlt sich leer, einsam und entwurzelt. Nur die Gegenwart seiner Enkelin und die damit verbundene Aufgabe, ihr jeden Tag einen neuen Morgen zu zeigen, hält ihn am Leben.
Nach anfänglicher Zurückgezogenheit inmitten seiner Leidensgenossen in einem Flüchtlingsheim, fasst er Mut und geht auf die Straße zum Spazieren gehen. Immer mit Sang diû auf dem Arm.
So vergehen viele Wochen im gleichen Trott, Monsieur Linh lernt „seine“ Straße immer besser kennen, aber die Einsamkeit, trotz Enkelin, bleibt. Gegenwärtige Alltagsbilder, die er bei seinen Spaziergängen beobachtet, vermischen sich mit Erinnerungen aus seiner Heimat.

„ Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, drängen sich zahllose Familien am Eingang des Parks, andere kommen heraus. Die beiden bunten, lärmenden Ströme fließen ineinander und bilden große Strudel wie jene, die man in der Regenzeit im Fluss der Schmerzen unweit des Dorfes sieht.
Der Fluss heißt so, weil der Legende nach ...“ Seite 45.


Und dann kommt der Tag, der das Leben von Monsieur Linh erneut verändern wird. Er lernt Monsieur Bark kennen. Einen großen kräftig gebauten Franzosen, der von Statur her das Gegenteil vom klapperdürren Linh ist. Während Bark eine Zigarette nach der anderen raucht, erzählt er Monsieur Linh vom Tod seiner Frau, vom Leben ohne sie und ohne Kinder, von seinem Einsatz als Soldat in (wahrscheinlich) Indochina und die damit verbundenen Greueltaten. Monsieur Linh versteht nicht ein Wort der fremden Sprache, aber er spürt die Wärme, die von der anfangs noch unbekannten Person ausgeht. Und so entwickelt sich eine intensive Freundschaft zwischen den beiden Männern, die auch nicht aufhört, als Monsieur Linh von den Behörden abgeholt wird und in ein am Stadtrand gelegenes Altenheim gesteckt wird.

Von dort versucht Monsieur Linh auszubrechen, was ihm aber erst nach einem missglücktem Versuch gelingt.
Die Erzählung läuft am Ende auf ihren Höhepunkt zu, in dem der Greis mit seiner Enkelin auf der verzweifelten Suche nach seinem Freund Bark durch die riesige Stadt irrt, ihn zum Schluß dann tatsächlich auf der Straßenseite endeckt, auf der ihre gemeinsame Bank steht, die ihnen wochenlang als Treffpunkt gedient hatte.
Philippe Claudel lässt seine Erzählung mit einer gelungenen Schlußpointe enden.


Man könnte meinen, manche der vorangegangenen Rezensenten haben nicht ganz Unrecht, wenn sie in ihrer Kritik die manchmal kitschig anmutenden Szenen erwähnen. Leider kann ich zu wenig französisch, ich hätte das Büchlein nämlich dann in der Sprache gelesen, in der es entstanden ist. Ich bin mir sicher, dass die Übersetzung nicht ganz glücklich verlaufen ist und somit könnte tatsächlich obig beschriebener Eindruck erweckt werden.
Aber Beschreibung von Krieg und Massakern kann nie kitschig sein, nur aufs Äußerste tragisch.
Länder-oder Städtenamen werden übrigens nie genannt und doch wird dem genauen Leser das Massaker von My Lai vom 16. März 1968 vor Augen geführt.

Philipp Claudel's Sprache ist einfach und klar. Aber auch raffiniert. Eindrücklich erzählt er von einem im Herzen zutiefst verletzten Menschen, der nach schlimmsten Kriegserlebnissen entwurzelt wird und trotzdem die Hoffnung nicht verliert, weil ihm die Sorge um das Enkelkind Grund gibt, weiterzuleben.
Mit den >>Großen Gefühlen, wie Tod und Trauer, Verzweifelung, aber auch Fürsorge, Freundschaft und Liebe<< beschreibt Claudel die Großvaterrolle und die Freundschaft zwei alter Männer.

Claudel's kleines literarisches Werk gehört in die Reihe von Alessandro Barrico's „Seide“ und „Novecento“ sowie Eric Emmanuell Schmitt's „Die Dame in Rosa“ und „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“.

Wenn sich der Verlag für eine andere Umschlaggestaltung entschieden hätte, dann wäre alles rund gewesen.
jbs 2010


Das letzte Zitat ist aus:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/532796/

5
Okt
2010

haiku 50

Korsika-3-174
jbs 2007


haiku 50

roter farbspeicher
blüten trinken sonnenlicht
das wetter schlägt um
jbs


Cours Lapin
http://www.youtube.com/watch?v=Ol-pcy3huWQ

29
Sep
2010

haiku 49

haiku

taubenetzter glanz
auf gesponnenen fäden
die waage klopft an

jbs



Quelle: http://www.pitopia.de/pictures/standard/h/helga_walter/98/helga_walter_381898.jpg
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lou salome

"Vielleicht war vor den Lippen schon das Flüstern da und ohne Bäume tanzte schon das Laub."Ossip Emiljewitsch Mandelstam

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