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"Und dieses Buch, es ist mein Körper, Und dieses Wort,...
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LLLL

LLLL = Lange Lange Lese Liste


Martin von Arndt
Tage der Nemesis


Martin von Arndt
Oktoberplatz



Immo Sennewald
Raketenschirm


Hans Zengeler
Das letzte Geheimnis


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Die Sprachenauseinanderdriftung


Joachim Zelter
untertan


Joachim Zelter
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Ich nannte ihn Krawatte


Miklós Radnóti
Gewaltmarsch


Michael Moshe Checinski
Die Uhr meines Vaters


Steve Sem-Sandberg
Die Elenden von Łódź

22
Mai
2012

Oktoberplatz

Oktoberplatz

Wahrlich meisterhaft geschrieben!

Martin von Arndt erzählt in seinem neuen Roman „Oktoberplatz“ eine äußerst spannungsreich auskalkulierte Story über die politische Entwicklung Weißrusslands und charakterisiert dessen Hintergründe souverän. Und das Ganze in seiner so typischen Art und Weise, Prosa lyrisch zu untermalen. Und von Arndt wäre nicht von Arndt, würde er nicht wieder einen tragischen Helden für seine Geschichte auswählen.
Wasil Mikalajewitsch prägt diese Rolle und der Autor nimmt den Leser mit nach Hrodna, dem Städtchen im Belarus, in dem Wasil 1974 geboren wird. Er wächst dort mit drei, fast gleichaltrigen, Tantchen auf, mit denen er nacheinander in inzestuösen Verhältnissen leben wird. „Skandal“ möchte man anfangs meinen. Was für ein „Skandal“. Nicht nur einen Mord an eine der Tanten klügelt er aus, nein, er stürzt sich auch noch in sexuelle Abhängigkeiten.

Nachdem seine engste Bezugsperson, der Großvater Istvan, wegen abnormen Alkoholkonsums tödlich verunglückt, die Familie nach der Bestattung eine Neuorientierung sucht, findet Wasil in einem Garagenversteck das Vermächtnis seines Vaters: „ … eine so große Summe Devisen, dass ich, für diesmal, nicht nur eine Augenbraue hob. Dann lag da noch ein Zettel, auf den Vater in Großbuchstaben geschrieben hatte. 'Mach was aus deinem Leben. Am besten hau ab von hier'.“

Wasil's Gedanken fangen an „wie in einem Elektronenbeschleuniger die Arbeit aufzunehmen“ und er stellt 1999 nach einer unruhigen Nacht fest: „Ich war siebzehn Jahre alt. Ich war frei. Und das Land meiner Geburt hatte aufgehört zu existieren.“

Er wird abhauen. Immer auf der Suche nach Heimat, Bodenständigkeit und Freiheit in den wirren Zeiten der Neuorientierung von Belarus und den postsowjetischen Nachbarstaaten.

In diesen Monaten übernimmt ein autokratischer Präsident die Regierungsarbeit und die Menschen im Belarus müssen sich, nachdem das Weißrussische schon von Stalin unterdrückt wurde, erneut einer Diktatur stellen.
Genau in dieser Zeit reist Wasil nach Ungarn aus, in das Land seiner Vorfahren. Auf dem Paßamt in Hrodna will der Beamte der Regierungsbehörde OWIR kein Verständnis für die Ausreise aufbringen, denn „ Jetzt wird hier endlich unsere Sprache gesprochen … und da kommen Sie daher, ein junger Mensch, und wollen weg.“
Seine Ausreise fällt in die zaghafte Wiedergeburt der weißrussischen Sprache, die, wie oft gedacht, kein Dialekt, sondern wie das Ukrainische, eine eigene ostslawische Sprache ist und als fast ausgestorben angesehen werden konnte. Russisch gilt als erste Amtssprache. Aber das interessiert Wasil nicht. Er ist ein Heimatsuchender, ein für die „Hiesigen kein Hiesiger.“

Wasil „ … kehrte zurück zu Großpapa, in Großpapas Land. Wie meine Landsleute: Alle kehrten wir zurück zu unseren Großvätern, Nur daß die anderen Belarussen das Land nie verließen, es kam einfach zu ihnen. Es kam über sie. Und die meisten haben es nicht einmal gewollt.“

Metaphern auf die politisch-geschichtlichen Hintergründe der sogenannten Präsidialrepublik Weißrusslands finden sich immer wieder, schon ganz zu Beginn des Romans, wenn von Arndt Zeilen aus der Songlyrik der russischen Musikband N.R.M.: „Drei Schildkröten“ zitiert:

„ Wenn du in der Kommunalka ( Gemeinschaftswohnung)
plötzlich die Ausdünstungen riechst
Und dich das Leben in den Schwitzkasten nimmt
Wirst du verstehen, daß nach wie vor
Drei Schildkröten diese Welt ziehen.
Warte nicht ab, es wird keine Überraschungen geben.“


Ein Bild will sich dann nach dem Lesen öffnen: Eine schildkrötenhaft langsame Entwicklung von politischen Troikas postsowjetischer Staaten. Stillstand von Entwicklungen nicht ausgeschlossen.

Oder eine Dreiecksgeschichte. Drei Schildkröten. Drei Republiken. Drei Tanten. Jede steht für ein Land. Marya für Polen, Tatsiana für Ungarn, Alezja für Belarus.
Und mittendrin der Antiheld Wasil Mikalajewitsch.
Aber zum Ende des Romans hin, lösen sich diese Interpretationsansätze in Luft auf. Denn ab Seite 219 taucht ein Gedicht von Thomas Wolfe aus „Tod, der stolze Bruder“ auf, welches als Schlüsselszene zum gesamten Werk angesehen werden kann.

„Sie kommen,
meine großen dunklen Pferde kommen!
Mit dem sachten und rauschenden Innern ihrer Hufe.
Die Pferde des Schlafs galoppieren,
galoppieren über das Land.“

Über diese Verse kommen sich Wasja und seine jüngste Tante Marya sehr nahe. Seelenverwandtschaft trifft den Kern. Wasja steht ab dem Zeitpunkt endgültig einem Wendepunkt in seinem Leben gegenüber. Er muss sich entscheiden.
Von da an überschlagen sich die Ereignisse. Wasja schreckt nicht zurück, einen Mord zu planen. Ein mitreißender Schluß.

Martin von Arndt hat mit diesem Roman erneut gezeigt, was für ein grandioser Erzähler er ist. Mit einer unglaublich farbigen, lyrischen und suggestiven Sprache beschwört er wunderbar poetische Bilder vor das Auge des Lesers, man möchte einzelne Textstellen ständig wiederholen.
Ein Lesegenuss!

jbs
22.Mai 2ooozwölf

Buch und Verlag:
http://www.vonarndt.de/pdf/oktoberplatz-vorschau.pdf

Trailer zum Buch:
http://www.youtube.com/watch?v=Mnj3frt9okc

Bucherwerb:
http://www.amazon.de/Oktoberplatz-Meine-gro%C3%9Fen-dunklen-Pferde/dp/3863510232/martinvonarndt

30.05.2012 nachgereicht:
Deutschlandfunk-Büchermarkt. Lerke von Saalfeld - Martin von Arndt - Ein Interview

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/1769330/

Die kursiv geschriebenen Textstellen sind Zitate aus dem Buch "Oktoberplatz"

18
Mai
2012

Oi Va Voi

Oi Va Voi

... Herrjemine ...

Budapest-10-09-163


"Waiting" von Oi Va Voi

http://www.youtube.com/watch?v=67hpqmB6Kjs&feature=related

30
Apr
2012

Bella Ciao - George Tabori

Korsika-3-174
jbs

Dies ist die Blume des Partisanen, der für die Freiheit starb.

„Das Universum ist hier“, sagt er spöttisch-sarkastisch und tippt voll sicheren Glaubens sich an die Stirn, „und ich kann damit machen, was ich will.“ sagt Stefan Farkas, Protagonist des Romans "Gefährten zur linken Hand" von George Tabori.


"Und die Gefährten der rechten Hand ( und wie glückselig sind die Gefährten der rechten Hand!) werden unter dornenlosen Lotusbäumen und schön geordneten Talhabäumen wohnen und unter ausgebreiteten Schatten und bei einem immer fließenden Wasser, und mit Früchten im Überfluß, die nie weniger und nie verboten werden. Bei Huris werden sie wohnen, auf erhöhten Kissen gelagert ... Die Gefährten der linken Hand aber ( und wie unglückselig sind die Gefährten der linken Hand!) werden in glühendem Winde wohnen und siedend heißem Wasser und unter dem Schatten eines schwarzen Rauches, der weder kühl noch angenehm ist ..."

Koran
Die 56. Sure: Der Unvermeidliche

aus:
Gefährten zur linken Hand
von
George Tabori Lesen? Lesen!



Ein Partisanenlied aus Italien:

http://www.youtube.com/watch?v=dQrgOwYbgns

"Eines Morgens bin ich erwacht
(An diesem Morgen bin ich aufgestanden)
Oh Schöne Ade, Schöne, Schöne Ade! Ade! Ade!
Eines Morgens bin ich erwacht
Und fand den Eindringling vor.
Oh Partisan, bring mich fort
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Oh Partisan, bring mich fort
Denn ich fürchte bald zu sterben
Und falls ich als Partisan sterbe
(Und falls ich in den Bergen sterbe)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Und falls ich als Partisan sterbe
(Und falls ich in den Bergen sterbe)
Dann musst du mich begraben
Begrabe mich dort oben auf dem Berge
(Und du musst mich begraben)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Begrabe mich dort oben auf dem Berge
(Und du musst mich begraben)
Unter dem Schatten einer schönen Blume
Und die Leute die daran vorbeigehen
(Und alle jene die daran vorbeigehen)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Und die Leute die daran vorbeigehen
(Und alle jene die daran vorbeigehen)
Werden mir sagen: „Welch schöne Blume!“
(Und sie werden sagen: „Welch schöne Blume!“)
Dies ist die Blume des Partisanen
(Und dies ist die Blume des Partisanen)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Dies ist die Blume des Partisanen
(Und dies ist die Blume des Partisanen)
Der für die Freiheit starb"

( freie Übersetzung. Kopiert aus Wikipedia. http://de.wikipedia.org/wiki/Bella_Ciao )

George Tabori war ein Schriftsteller, Drehbuchautor, Übersetzer, Dramatiker und Theaterregisseur ungarischer Herkunft. Er wurde 1914 geboren und starb 2007.
"
George Tabori Ein bühnenreifes Leben ist zu Ende"

http://www.stern.de/kultur/film/george-tabori-ein-buehnenreifes-leben-ist-zu-ende-593740.html

9
Apr
2012

raue kiefernheide

raue kiefernheide

wolken sind heraufgezogen
über rauer kiefernheide
scheint der horizont
für dich
und mich
allein


jbs 2ooozwölf

Suedtirol-Nr-2-138
jbs


Darfst nun getrost die Augen schliessen
(Epistel 72)
Carl-Michael Bellmann
Interpret: Hannes Wader 2006

http://www.youtube.com/watch?v=MTdLJY0OrOc

27
Mrz
2012

gescanntes speed-dating

gescanntes speed-dating

die sunna.
kitzelt.
durchs fenster.
schnuppert.
schweifend.
in meinen tag.
sucht.
ein speed-dating.
mit.
mir.
richtungswechsel.
programmänderung.
ich ziehe.
meine kreise.
auf unbekannten
frequenzen.
so weit.
die luft.
mich.
trägt.


© jbs
märz 2ooozwölf

Deep-Sky-Beobachtung

Deep-Sky-Beobachtung

nacht im märz

auf brauner krume
schläft geduckt
eine blaue
viola

tonschöpfer pan schneidet
sieben teile
schlankes schilfrohr
wirbelt nuancen
zum stundenschlag auf

du legst
schatten
riss
artig
dein tangram
zu wortfeldern
in einer märzennacht
wird es eng
im olymp

gedämpft klingt
himmelsspektakel
an dein ohr
erstaunt
schaust
du
auf
jupiter und venus

c'etait
un
rendezvous


©
jbs
märz 2ooozwölf

Heute am Himmel: Montag, 26. März 2012
http://news.astronomie.info/ai.php/90000

21
Mrz
2012

Səməd Behrəngi - Imre Török

Das Buch Luzius vom Schriftsteller Imre Török begleitet mich seit gestern. Angekommen bin ich erst auf Seite 31, also noch ganz am Anfang dieses jetzt schon farbenfrohen Kunstmärchens. Trotzdem möchte ich schon etwas schreiben, denn ich erinnerte mich an ein kleines Büchlein, das ich Ende der siebziger Jahre erworben hatte. Es handelt von einem kleinen schwarzen Fisch, der ausgezogen ist, um die Welt kennen zu lernen. Ich habe es wiedergefunden und stelle fest, beinahe hätte ich den besonderen Schriftsteller Səməd Behrəngi vergessen.

Səməd Behrəngi

Der kleine schwarze Fisch

Zitat:
"Der kleine schwarze Fisch zieht aus, das Ende des Baches zu finden, ist begierig zu wissen, was dahinter liegt. Unerschrocken schwimmt er los, angespornt von dem Wunsch, zu wissen, zu erfahren, die Welt zu entdecken und mit den Tieren zu sprechen, die außerhalb seines Heimatbaches eine Welt bewohnen, die er bisher nicht gekannt hat. Immer wieder fragt er, nach dem Frieden, nach dem Grund für Feindschaft und Furcht, und er fragt nach der Freiheit, die es für einen kleinen Fisch in der großen Welt doch geben muß. Wenn nur die großen, gefährlichen Kormorane und Pelikane nicht wären,...
Hier liest man einerseits ein bezauberndes Märchen, das auch Kinder verstehen, aber unübersehbar ist auch der politische Drang nach Freiheit: „Wenn nun ein Fisch in seinen Beutel gelangt (es geht um den die Kleintiere bedrohenden Schnabelsack des Pelikans), gibt es für ihn gar keine Hoffnung, doch noch zu entkommen?“- „Es gibt nur einen Weg. Du mußt den Beutel (von innen) zerreißen!“ Und an anderer Stelle: „Warum bist Du so mißtrauisch und ängstlich, kleiner Fisch?“- „Ich bin weder mißtrauisch noch ängstlich, mein Mund spricht, was meine Augen sehen und mein Verstand mir rät.“
Wie Samad, so verschwindet auch der kleine schwarze Fisch am Ende spurlos, aber es bleibt eine Hoffnung zurück, die Hoffnung, dass unter „(12 000) kleinen Fischen (...) einer (keine Ruhe findet)“ und losschwimmt, und, dies darf man als Samads Bekenntnis lesen: „Wichtig allein ist, welchen Wert mein Leben oder mein Tod für das LEBEN hat...“.


Zum Autor Samad Behranghi (1938-1968):
"Behranghi wurde in einem Dorf bei Aserbeidschan/Iran (Nordwestliche Provinz) geboren und wuchs in Armut und Elend auf. Er entwickelte früh ein Gespür für die gesellschaftliche Situation seines Landes und erkannte die Notwendigkeit gelebten Widerstandes und der Solidarität der Unterdrückten untereinander, was er in seinen Geschichten und Erzählungen für Kinder zum Ausdruck brachte. Aber wie ein persischer Gelehrter sagte: „Seine Werke sind für Kinder geschrieben, aber die Erwachsenen sollen daraus lernen!“
Doch welches repressive Regime sieht gelassen zu, wenn zum Widerstand gegen es aufgerufen wird...1968 verschwand Samad spurlos, seine Leiche wurde später am Arras- Fluss im Norden Persiens gefunden."

http://de.wikipedia.org/wiki/S%C9%99m%C9%99d_Behr%C9%99ngi

Auf dem Klappentext wird von einem Glühwürmchen erzählt, das zu einem Hasen sagte: " Mein Freund, ich bemühe mich immer, eure Umgebung und den Wald zu beleuchten, obwohl einige Tiere mich auslachen und sagen: 'Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Du bemühst dich vergeblich, den Wald mit deinem schwachen Licht zu erhellen.'"
Der Hase erwiderte: "Das sagen nur einige, wir aber meinen: Jedes Licht, trotz seiner Schwäche, ist immerhin noch ein Licht."

"Der kleine schwarze Fisch"

http://www.amazon.de/kleine-schwarze-Fisch-Samad-Behranghi/dp/3000207716/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1332340329&sr=1-1

Unterstützt wurde diese kleine Ausgabe von der FIS ( Förderation iranischer Studenten in der BRD und W-Berlin, Landesverband der CIS) ( Ende der 1970iger Jahre )


Ich bin nun weiterhin sehr gespannt auf die Lektüre Török's, seinem Luzius, Traminer und der wunderbaren sonderbaren Prinzessin der Gewürze und Aromen.

20
Mrz
2012

karfunkelrote tropfen

karfunkelrote tropfen

was war ist. karfunkel
rote sekunden tropfen
aus dem spiegel
geschichten vieler solisten;
partituren von
pracht
niedergang
tod

für einen augenblick habe ich gedacht, im
rausch pulsieren
fühlen gefühle, dort, der fremde
ton hinter glas und pudrigem staub weht
vertraut, hinterlässt stradivari
impressionen im hier, perlen aus seufzern
und lachern
leichtigkeit fädelt sich auf

bis der frost sie entjungfert,
ohne vorankündigung
im glas ein sprung hinterlässt

schwerelose karfunkelrote sekunden tropfen
aus dem spiegel
spieglein spieglein an der wand

in phasengrenzen, lebt
das kurze hier
und ist.


© jbs 2ooozwölf

( 9:29 Uhr Korrekturen )

17
Mrz
2012

Miklós Radnóti

Heute Vormittag steckten zwei schmale Päckchen im Briefkasten. Beide enthielten Bücher, auf die ich schon ein Weile gewartet hatte. Über ein Bücherantiquariat hatte ich mir „Ausgewählte Gedichte“ bestellt. Vom ungarischen Lyriker Radnóti Miklós.
Ich werde vom Klappentext des Buches „Gewaltmarsch“ von Radnóti Miklós, Corvina Verlag Budapest 1979 zitieren:

„Eine Würdigung dieses bedeutenden ungarischen Lyrikers der Moderne ( 1909 – 1944 ) kann man nicht anders beginnen als mit der Heraushebung der größten Tat, der höchsten Leistung, die er vollbrachte und worin ihm kein anderer Dichter an die Seite gestellt werden kann. Als rassisch Verfolgter wurde er in den kritischen Jahren zum Arbeitsdienst herangezogen, verbrachte Monate, Jahre in Zwangsarbeitslagern, zuletzt in Serbien, und als dieses Lager vor den heranziehenden Sowjettruppen geräumt werden musste, endete der bis zur Marschunfähigkeit erschöpfte Radnóti, wie so viele andere, durch Genickschuss. An sich kein ungewöhnliches Schicksal in jenen Jahren. Nun ist aber Radnóti bis zum letzten Augenblick, angesichts des jeder Menschenwürde beraubten sicheren Todes Dichter geblieben.
Die im Lager von Bor säuberlich in sein Notizbuch eingetragenen Gedichte sind dem Inhalt und der Form nach erlesene Meisterwerke und zeigen den Dichter auf der höchsten Höhe seiner Schaffenskraft. Diese Gedichte sind mit dem toten Dichter – bereits in ungarischem Gebiet – im Massengrab verscharrt und mit ihm exhumiert worden.
Eine solche moralische Kraft und Werktreue kann man nicht hoch genug schätzen, und dennoch darf man sie nicht überschätzen. Sonst könne der Eindruck erweckt werden, die Größe Radnótis liege einzig in seiner Standhaftigkeit, und zu feiern wäre ein exzeptioneller Charakter, auf dessen dichterische Qualität es nicht mehr so sehr ankommt. Das wäre ein Trugschluss. Radnóti erregte schon als Zwanzigjähriger mit dem originellen Stil und kraftvollen Ton seiner Lyrik Aufsehen. In den etwa fünfzehn Jahren, die ihm zu seinem lyrischen Werk zur Verfügung standen, stieg er von Band zu Band – sie erschienen in rascher Folge – immer höher.
Von Anfang an nahm er einen fortschrittlichen Standpunkt der Auflehnung gegen die bestehende Gesellschaft und deren Scheinmoral ein; er tat dies teils mit expressionistischer Zügellosigkeit, teils mit Abkehr vom Alltag und Flucht in ein Arkadien seiner Phantasie. Bald streifte der für das Zeitgeschehen aufgeschlossene Dichter aller Übertreibungen ab; er erkannte die faschistische Gefahr früher als andere, sagte ihr den Kampf an, führte ihn aber mit den erlesensten Mitteln des dichterischen Wortes, mit Eklogen in klassischer Form, und selbst die von der Erkenntnis des unentrinnbaren Dichterschicksals erfüllten Gedichte schrieb er in formvollendeten Hexametern sowie die Liebesbekenntnisse an seine Frau bis zuletzt auch.
Wiederholt sei nur eben, dass der an sich schon bedeutende Dichter mit seinen letzten Gedichten auf dem „Gewaltmarsch“ zum Massengrab sich selbst übertraf. Die Gedichte, die er hinterließ, sind hellleuchtend, und so ist auch des Dichters moralische Größe.“



Grüß die Sonne!

Jetzt küss ich dir schon die Hand, mit solchem
Bauerngram ist's so schön, in der Sonne
zu stehen, auf begeisterten Feldern
klirrt aufgeschossen Halm an Halm der Weizen!

Schau! Wo wir lagen, liegt der Halm gestürzt,
auf strenger Flur ein Liebeswappen, -
wie beugt sich das Land! vor dir verbeugt sich tief,
im Straßenstaub rutschend, der ferne Kirchturm!

Nachmittag kommt dösen: grüß ihn still!
auf deiner Fingerspitze erblüht ein Kuss,
und in deinem Handinnern wird der Schatten!
Grüß ihn du nur!mit gespreizten Händen

grüß die Sonne, wir stehen jetzt
ja noch ihr zugewandt da, und auf
glitzernden Feldern, begeisterten Feldern
klirrt aufgeschossen Halm an Halm der Weizen!


Miklós Radnóti
8. Oktober 1929

IMG_1432
jbs

Ton
Radnóti Miklós - Bájoló
http://www.youtube.com/watch?v=BL8jwnZeKvo
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lou salome

"Vielleicht war vor den Lippen schon das Flüstern da und ohne Bäume tanzte schon das Laub."Ossip Emiljewitsch Mandelstam

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Zuletzt aktualisiert: 26. Mai, 22:16

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