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Gestorben wird später
oder "Das Prinzip Hoffnung" Dieses Buch erscheint...
lou-salome - 12. Mai, 23:15
Gestorben wird später
oder "Das Prinzip Hoffnung" Gedanken zu „ Gestorben...
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LLLL

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Oktoberplatz


Péter Nádas
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Imre Török
Das Buch Luzius


Miklós Radnóti
Gewaltmarsch


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Die Elenden von Łódź


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Die Uhr meines Vaters



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Der Ministerpräsident


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Die Enden der Welt


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Thomas Schwab und Ulrich Faure
Antenne im Riff




Laurent Gaudé
Die Sonne der Scorta

12
Mai
2012

Gestorben wird später

oder "Das Prinzip Hoffnung"

Dieses Buch erscheint im Herbst 2012 im Verlag André Thiele neu. Ich stelle meine Rezension zu diesem Roman vom 21.08.2010 erneut auf die Titelseite

Gedanken zu „ Gestorben wird später“ von Hans Zengeler
Mit zweihundertundacht Seiten erschien o.g. Roman von Hans Zengeler bei Shaker Media GmbH 2009.

cover-gesto

„ Es war klar, dass es auf eine Kathastrophe hinausläuft.“ So beginnt die Erzählung, an dessen Anfang der Protagonist Josef Bloch plötzlich rasende Angst vor dem Alter und vor Krankheiten hat. Fast panikartige Angstattacken, gekennzeichnet durch Herzrasen, Schweißausbrüche, anfallsartige Müdigkeiten, Unausgeglichenheit, gedankliche Abwesenheit und sozialem Rückzug lassen den Leser sehr nah an das Gefühlsleben des Josef Bloch heran. Durch den Tod zwei sehr enger Freunde und schweren Krankheiten von Menschen im Umfeld des Protagonisten und seiner Frau Ira fällt Bloch in ein seelisches Tief. Er sieht sich genötigt sein Testament aufzusetzen.

Bloch ist Hausmann, neunundfünfzig Jahre alt. Seine Frau Ira, mit der er standesamtlich nicht verheiratet ist, verdient deren Lebensunterhalt als Illustratorin. Während sie seine anstehende Kropfoperation als notwendige Nebensache ansieht, zumindest lässt sie andere Gefühle zu diesem Thema nicht offen zu, versinkt Bloch in Ängsten vor der anstehenden Operation, malt sich alle möglichen Komplikationen aus und deutet jede Abweichung vom Alltag als schlechtes Omen auf seine Zukunft. Zengeler versteht es geschickt, die Symptome einer Hyperthyreose mit den Symptomen panikartigen Angstzuständen auf Linie zu bringen. So weiß ich als LeserIn nie ganz genau, sind das nun physische oder psychische Krankheitszeichen oder „einfach nur“ überzogene Gefühle.

Leicht macht es der Autor dem Leser mit Bloch nicht. Es ist ein Schwanken zwischen absoluter Sympathie und dem energischem Zurufen wollen, endlich mit dem Zaudern aufzuhören.
Josef ist auf der Suche nach sich selbst, betrachtet sich auf Seite 11 als Nullnummer mit Nullsummenbilanz. Aber zum Glück gibt es Ira. In Gesprächen wie diesen z.B. auf Seite 12: „ Ich verliere nicht gerne die Orientierung, sagte er.“ antwortete sie daraufhin: „Was ein Fehler ist, denn manchmal muss man die Orientierung verlieren, sonst erlebt man nichts mehr.“ Oder: „Wichtig ist nicht, wohin man geht, sondern das Erleben auf dem einmal gewählten Weg.“ ( S. 13). Solche Sätze tauchen immer wieder auf und Bloch enträtselt immer mehr sein Menschsein, sein Menschdasein.

Josef Bloch – Ernst Bloch.
Die gleichen Nachnamen legen eine Spur, der man detektivisch folgt:

"Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wohin gehen wir? War erwarten wir? Was erwartet uns? Viele fühlen sich nur als verwirrt. Der Boden wankt, sie wissen nicht warum und von was. Dieser ihr Zustand ist Angst, wird er bestimmter, so ist er Furcht. Einmal zog einer weit hinaus, das Fürchten zu lernen. Das gelang in der eben vergangenen Zeit leichter und näher, diese Kunst ward entsetzlich beherrscht. Doch nun wird, die Urheber der abgerechnet, ein uns gemäßeres Gefühl fällig. Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen."
Ernst Bloch in seinem Vorwort zu "Das Prinzip Hoffnung"

Hans Zengeler rollt eine Odyssee auf. Eine abenteuerliche Seelenfahrt, durch die Bloch prä- und postoperativ mit seinen Emotionen von Flaute bis Windstärke neun schippert, im Schlepptau seinen Sohn Marc, seine Ehrenkinder und Ehrenenkelkinder, seine zwei verstorbenen Freunde und allen voran Ira.
Am Ende des Romans hat man auch seine Patchworkfamilie kennengelernt und weiß endlich, wie es gesundheitlich um Bloch steht.
Besonders schön an diesem Roman ist, nach dem Hoffnungsprinzip, die wunderbare Liebeserklärung, die Josef Bloch seiner Ira auf über zweihundert Seiten macht.

Homepage des Autors: http://www.zengeler.de

12.05.2012:
Aus aktuellem Anlass füge ich eine Vorschau auf alle Bücher des VAT Verlag Andre Thiele ein. Auf Seite 10 wird die überarbeitete Neuauflage des Romans "Gestorben wird später" vorgestellt.


http://issuu.com/vatverlagandrethiele/docs/vat_herbstprogramm_2012?mode=window&backgroundColor=%23222222

30
Apr
2012

Bella Ciao - George Tabori

Korsika-3-174
jbs

Dies ist die Blume des Partisanen, der für die Freiheit starb.

„Das Universum ist hier“, sagt er spöttisch-sarkastisch und tippt voll sicheren Glaubens sich an die Stirn, „und ich kann damit machen, was ich will.“ sagt Stefan Farkas, Protagonist des Romans "Gefährten zur linken Hand" von George Tabori.


"Und die Gefährten der rechten Hand ( und wie glückselig sind die Gefährten der rechten Hand!) werden unter dornenlosen Lotusbäumen und schön geordneten Talhabäumen wohnen und unter ausgebreiteten Schatten und bei einem immer fließenden Wasser, und mit Früchten im Überfluß, die nie weniger und nie verboten werden. Bei Huris werden sie wohnen, auf erhöhten Kissen gelagert ... Die Gefährten der linken Hand aber ( und wie unglückselig sind die Gefährten der linken Hand!) werden in glühendem Winde wohnen und siedend heißem Wasser und unter dem Schatten eines schwarzen Rauches, der weder kühl noch angenehm ist ..."

Koran
Die 56. Sure: Der Unvermeidliche

aus:
Gefährten zur linken Hand
von
George Tabori Lesen? Lesen!



Ein Partisanenlied aus Italien:

http://www.youtube.com/watch?v=dQrgOwYbgns

"Eines Morgens bin ich erwacht
(An diesem Morgen bin ich aufgestanden)
Oh Schöne Ade, Schöne, Schöne Ade! Ade! Ade!
Eines Morgens bin ich erwacht
Und fand den Eindringling vor.
Oh Partisan, bring mich fort
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Oh Partisan, bring mich fort
Denn ich fürchte bald zu sterben
Und falls ich als Partisan sterbe
(Und falls ich in den Bergen sterbe)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Und falls ich als Partisan sterbe
(Und falls ich in den Bergen sterbe)
Dann musst du mich begraben
Begrabe mich dort oben auf dem Berge
(Und du musst mich begraben)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Begrabe mich dort oben auf dem Berge
(Und du musst mich begraben)
Unter dem Schatten einer schönen Blume
Und die Leute die daran vorbeigehen
(Und alle jene die daran vorbeigehen)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Und die Leute die daran vorbeigehen
(Und alle jene die daran vorbeigehen)
Werden mir sagen: „Welch schöne Blume!“
(Und sie werden sagen: „Welch schöne Blume!“)
Dies ist die Blume des Partisanen
(Und dies ist die Blume des Partisanen)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Dies ist die Blume des Partisanen
(Und dies ist die Blume des Partisanen)
Der für die Freiheit starb"

( freie Übersetzung. Kopiert aus Wikipedia. http://de.wikipedia.org/wiki/Bella_Ciao )

George Tabori war ein Schriftsteller, Drehbuchautor, Übersetzer, Dramatiker und Theaterregisseur ungarischer Herkunft. Er wurde 1914 geboren und starb 2007.
"
George Tabori Ein bühnenreifes Leben ist zu Ende"

http://www.stern.de/kultur/film/george-tabori-ein-buehnenreifes-leben-ist-zu-ende-593740.html

9
Apr
2012

raue kiefernheide

raue kiefernheide

wolken sind heraufgezogen
über rauer kiefernheide
scheint der horizont
für dich
und mich
allein


jbs 2ooozwölf

Suedtirol-Nr-2-138
jbs


Darfst nun getrost die Augen schliessen
(Epistel 72)
Carl-Michael Bellmann
Interpret: Hannes Wader 2006

http://www.youtube.com/watch?v=MTdLJY0OrOc

27
Mrz
2012

gescanntes speed-dating

gescanntes speed-dating

die sunna.
kitzelt.
durchs fenster.
schnuppert.
schweifend.
in meinen tag.
sucht.
ein speed-dating.
mit.
mir.
richtungswechsel.
programmänderung.
ich ziehe.
meine kreise.
auf unbekannten
frequenzen.
so weit.
die luft.
mich.
trägt.


© jbs
märz 2ooozwölf

Deep-Sky-Beobachtung

Deep-Sky-Beobachtung

nacht im märz

auf brauner krume
schläft geduckt
eine blaue
viola

tonschöpfer pan schneidet
sieben teile
schlankes schilfrohr
wirbelt nuancen
zum stundenschlag auf

du legst
schatten
riss
artig
dein tangram
zu wortfeldern
in einer märzennacht
wird es eng
im olymp

gedämpft klingt
himmelsspektakel
an dein ohr
erstaunt
schaust
du
auf
jupiter und venus

c'etait
un
rendezvous


©
jbs
märz 2ooozwölf

Heute am Himmel: Montag, 26. März 2012
http://news.astronomie.info/ai.php/90000

21
Mrz
2012

Səməd Behrəngi - Imre Török

Das Buch Luzius vom Schriftsteller Imre Török begleitet mich seit gestern. Angekommen bin ich erst auf Seite 31, also noch ganz am Anfang dieses jetzt schon farbenfrohen Kunstmärchens. Trotzdem möchte ich schon etwas schreiben, denn ich erinnerte mich an ein kleines Büchlein, das ich Ende der siebziger Jahre erworben hatte. Es handelt von einem kleinen schwarzen Fisch, der ausgezogen ist, um die Welt kennen zu lernen. Ich habe es wiedergefunden und stelle fest, beinahe hätte ich den besonderen Schriftsteller Səməd Behrəngi vergessen.

Səməd Behrəngi

Der kleine schwarze Fisch

Zitat:
"Der kleine schwarze Fisch zieht aus, das Ende des Baches zu finden, ist begierig zu wissen, was dahinter liegt. Unerschrocken schwimmt er los, angespornt von dem Wunsch, zu wissen, zu erfahren, die Welt zu entdecken und mit den Tieren zu sprechen, die außerhalb seines Heimatbaches eine Welt bewohnen, die er bisher nicht gekannt hat. Immer wieder fragt er, nach dem Frieden, nach dem Grund für Feindschaft und Furcht, und er fragt nach der Freiheit, die es für einen kleinen Fisch in der großen Welt doch geben muß. Wenn nur die großen, gefährlichen Kormorane und Pelikane nicht wären,...
Hier liest man einerseits ein bezauberndes Märchen, das auch Kinder verstehen, aber unübersehbar ist auch der politische Drang nach Freiheit: „Wenn nun ein Fisch in seinen Beutel gelangt (es geht um den die Kleintiere bedrohenden Schnabelsack des Pelikans), gibt es für ihn gar keine Hoffnung, doch noch zu entkommen?“- „Es gibt nur einen Weg. Du mußt den Beutel (von innen) zerreißen!“ Und an anderer Stelle: „Warum bist Du so mißtrauisch und ängstlich, kleiner Fisch?“- „Ich bin weder mißtrauisch noch ängstlich, mein Mund spricht, was meine Augen sehen und mein Verstand mir rät.“
Wie Samad, so verschwindet auch der kleine schwarze Fisch am Ende spurlos, aber es bleibt eine Hoffnung zurück, die Hoffnung, dass unter „(12 000) kleinen Fischen (...) einer (keine Ruhe findet)“ und losschwimmt, und, dies darf man als Samads Bekenntnis lesen: „Wichtig allein ist, welchen Wert mein Leben oder mein Tod für das LEBEN hat...“.


Zum Autor Samad Behranghi (1938-1968):
"Behranghi wurde in einem Dorf bei Aserbeidschan/Iran (Nordwestliche Provinz) geboren und wuchs in Armut und Elend auf. Er entwickelte früh ein Gespür für die gesellschaftliche Situation seines Landes und erkannte die Notwendigkeit gelebten Widerstandes und der Solidarität der Unterdrückten untereinander, was er in seinen Geschichten und Erzählungen für Kinder zum Ausdruck brachte. Aber wie ein persischer Gelehrter sagte: „Seine Werke sind für Kinder geschrieben, aber die Erwachsenen sollen daraus lernen!“
Doch welches repressive Regime sieht gelassen zu, wenn zum Widerstand gegen es aufgerufen wird...1968 verschwand Samad spurlos, seine Leiche wurde später am Arras- Fluss im Norden Persiens gefunden."

http://de.wikipedia.org/wiki/S%C9%99m%C9%99d_Behr%C9%99ngi

Auf dem Klappentext wird von einem Glühwürmchen erzählt, das zu einem Hasen sagte: " Mein Freund, ich bemühe mich immer, eure Umgebung und den Wald zu beleuchten, obwohl einige Tiere mich auslachen und sagen: 'Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Du bemühst dich vergeblich, den Wald mit deinem schwachen Licht zu erhellen.'"
Der Hase erwiderte: "Das sagen nur einige, wir aber meinen: Jedes Licht, trotz seiner Schwäche, ist immerhin noch ein Licht."

"Der kleine schwarze Fisch"

http://www.amazon.de/kleine-schwarze-Fisch-Samad-Behranghi/dp/3000207716/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1332340329&sr=1-1

Unterstützt wurde diese kleine Ausgabe von der FIS ( Förderation iranischer Studenten in der BRD und W-Berlin, Landesverband der CIS) ( Ende der 1970iger Jahre )


Ich bin nun weiterhin sehr gespannt auf die Lektüre Török's, seinem Luzius, Traminer und der wunderbaren sonderbaren Prinzessin der Gewürze und Aromen.

20
Mrz
2012

karfunkelrote tropfen

karfunkelrote tropfen

was war ist. karfunkel
rote sekunden tropfen
aus dem spiegel
geschichten vieler solisten;
partituren von
pracht
niedergang
tod

für einen augenblick habe ich gedacht, im
rausch pulsieren
fühlen gefühle, dort, der fremde
ton hinter glas und pudrigem staub weht
vertraut, hinterlässt stradivari
impressionen im hier, perlen aus seufzern
und lachern
leichtigkeit fädelt sich auf

bis der frost sie entjungfert,
ohne vorankündigung
im glas ein sprung hinterlässt

schwerelose karfunkelrote sekunden tropfen
aus dem spiegel
spieglein spieglein an der wand

in phasengrenzen, lebt
das kurze hier
und ist.


© jbs 2ooozwölf

( 9:29 Uhr Korrekturen )

17
Mrz
2012

Miklós Radnóti

Heute Vormittag steckten zwei schmale Päckchen im Briefkasten. Beide enthielten Bücher, auf die ich schon ein Weile gewartet hatte. Über ein Bücherantiquariat hatte ich mir „Ausgewählte Gedichte“ bestellt. Vom ungarischen Lyriker Radnóti Miklós.
Ich werde vom Klappentext des Buches „Gewaltmarsch“ von Radnóti Miklós, Corvina Verlag Budapest 1979 zitieren:

„Eine Würdigung dieses bedeutenden ungarischen Lyrikers der Moderne ( 1909 – 1944 ) kann man nicht anders beginnen als mit der Heraushebung der größten Tat, der höchsten Leistung, die er vollbrachte und worin ihm kein anderer Dichter an die Seite gestellt werden kann. Als rassisch Verfolgter wurde er in den kritischen Jahren zum Arbeitsdienst herangezogen, verbrachte Monate, Jahre in Zwangsarbeitslagern, zuletzt in Serbien, und als dieses Lager vor den heranziehenden Sowjettruppen geräumt werden musste, endete der bis zur Marschunfähigkeit erschöpfte Radnóti, wie so viele andere, durch Genickschuss. An sich kein ungewöhnliches Schicksal in jenen Jahren. Nun ist aber Radnóti bis zum letzten Augenblick, angesichts des jeder Menschenwürde beraubten sicheren Todes Dichter geblieben.
Die im Lager von Bor säuberlich in sein Notizbuch eingetragenen Gedichte sind dem Inhalt und der Form nach erlesene Meisterwerke und zeigen den Dichter auf der höchsten Höhe seiner Schaffenskraft. Diese Gedichte sind mit dem toten Dichter – bereits in ungarischem Gebiet – im Massengrab verscharrt und mit ihm exhumiert worden.
Eine solche moralische Kraft und Werktreue kann man nicht hoch genug schätzen, und dennoch darf man sie nicht überschätzen. Sonst könne der Eindruck erweckt werden, die Größe Radnótis liege einzig in seiner Standhaftigkeit, und zu feiern wäre ein exzeptioneller Charakter, auf dessen dichterische Qualität es nicht mehr so sehr ankommt. Das wäre ein Trugschluss. Radnóti erregte schon als Zwanzigjähriger mit dem originellen Stil und kraftvollen Ton seiner Lyrik Aufsehen. In den etwa fünfzehn Jahren, die ihm zu seinem lyrischen Werk zur Verfügung standen, stieg er von Band zu Band – sie erschienen in rascher Folge – immer höher.
Von Anfang an nahm er einen fortschrittlichen Standpunkt der Auflehnung gegen die bestehende Gesellschaft und deren Scheinmoral ein; er tat dies teils mit expressionistischer Zügellosigkeit, teils mit Abkehr vom Alltag und Flucht in ein Arkadien seiner Phantasie. Bald streifte der für das Zeitgeschehen aufgeschlossene Dichter aller Übertreibungen ab; er erkannte die faschistische Gefahr früher als andere, sagte ihr den Kampf an, führte ihn aber mit den erlesensten Mitteln des dichterischen Wortes, mit Eklogen in klassischer Form, und selbst die von der Erkenntnis des unentrinnbaren Dichterschicksals erfüllten Gedichte schrieb er in formvollendeten Hexametern sowie die Liebesbekenntnisse an seine Frau bis zuletzt auch.
Wiederholt sei nur eben, dass der an sich schon bedeutende Dichter mit seinen letzten Gedichten auf dem „Gewaltmarsch“ zum Massengrab sich selbst übertraf. Die Gedichte, die er hinterließ, sind hellleuchtend, und so ist auch des Dichters moralische Größe.“



Grüß die Sonne!

Jetzt küss ich dir schon die Hand, mit solchem
Bauerngram ist's so schön, in der Sonne
zu stehen, auf begeisterten Feldern
klirrt aufgeschossen Halm an Halm der Weizen!

Schau! Wo wir lagen, liegt der Halm gestürzt,
auf strenger Flur ein Liebeswappen, -
wie beugt sich das Land! vor dir verbeugt sich tief,
im Straßenstaub rutschend, der ferne Kirchturm!

Nachmittag kommt dösen: grüß ihn still!
auf deiner Fingerspitze erblüht ein Kuss,
und in deinem Handinnern wird der Schatten!
Grüß ihn du nur!mit gespreizten Händen

grüß die Sonne, wir stehen jetzt
ja noch ihr zugewandt da, und auf
glitzernden Feldern, begeisterten Feldern
klirrt aufgeschossen Halm an Halm der Weizen!


Miklós Radnóti
8. Oktober 1929

IMG_1432
jbs

Ton
Radnóti Miklós - Bájoló
http://www.youtube.com/watch?v=BL8jwnZeKvo

9
Mrz
2012

drachenbrunnenblatttee

drachenbrunnenblatttee


Istrien-2008-282-

drachenbrunnenblatt
aus weißem porzellan sprießt
jadegrüner tee

jbs
2ooozehn
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lou salome

"Vielleicht war vor den Lippen schon das Flüstern da und ohne Bäume tanzte schon das Laub."Ossip Emiljewitsch Mandelstam

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Zuletzt aktualisiert: 12. Mai, 23:16

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