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Eine erbarmungslose Reportage
oder Eine Kreuzfahrt als Gesellschaftsporträt Kann ...
lou-salome - 18. Nov, 22:26
haiku 11
briefe aus zagreb begraben hinter gitter nie beantwortet jbs
lou-salome - 14. Nov, 23:00
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lou-salome - 13. Nov, 23:47
schönes Haiku, schönes...
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Hindukusch 1839 -2009
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LLLL

LLLL = Lange Lange Lese Liste



Eugène Ionesco
Der Einzelgänger


Hans Magnus Enzensberger
Hammerstein oder der Eigensinn

Josef Winkler
Das wilde Kärnten

José Saramago
Eine Zeit ohne Tod


Renate Hartwig
Der verkaufte Patient

Jane Smiley
Die Grönland-Saga

18
Nov
2009

Eine erbarmungslose Reportage

oder
Eine Kreuzfahrt als Gesellschaftsporträt

Kann man zwischen Schiffsdeck und Karibikhimmel eine Satire über den alltäglichen Wahnsinn auf einem Luxusdampfer schreiben?
Man kann!
David Foster Wallace war ein solcher Ausnahmeschriftsteller. Er sah kein Tabu darin, eine verwöhnte und gelangweilte Touristenschar an Bord eines Luxuskreuzfahrtschiffes zu beobachten und über sie und das perfekt trainierte Schiffspersonal eine Reportage zu verfassen.

Der Gast wird von Betreten der Schiffsplanken an von der Crew beobachtet, übertrieben verwöhnt und ununterbrochen angelächelt. Alles ist weiß und sauber, bis in die hinterste Kammer. Und kaum verlässt der Urlauber seine Kajüte, eilt unsichtbar ein Zimmermädchen herbei, um Zimmer und Bad perfekt aufzuräumen.
Frische Handtücher, die man zum Swimmingpool mitnimmt, um damit die Liege abzudecken und um sich damit später abzutrocknen, sind nach dem Schwimmen verschwunden und durch ein neues, zusammengelegtes Tuch ersetzt. Beim Essen und den Tischgesprächen setzt sich ein alltäglicher Wahnsinn fort. Höhepunkte sind Fragen von Gästen, wie z.B., ob man beim Tauchen nass werden würde. Jede freie Zeit ist verplant, das non-stop-verwöhnen wird in den sieben Tagen für den Autor zum Stress und für den Leser zum Schluß auch.
Man wünscht sich, nur noch von Bord gehen zu können, um endlich mal wieder eine ganz gewöhnliche Currywurst vor einer Pommesbude zu verdrücken und man dabei dann auch mal kleckern darf, ohne dass das Budenpersonal mit dem Lappen gleich neben einem steht.

aus: Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich von David Foster Wallace

David Foster Wallace, geb. 1962, war ein amerikanischer Schriftsteller. Er nahm sich mit 46 Jahren das Leben.

14
Nov
2009

haiku 11

briefe aus zagreb
begraben hinter gitter
nie beantwortet
jbs
Istrien-2008-278-

13
Nov
2009

Hindukusch 1839 -2009

Beim Rückzug der Engländer aus Kabul 1842 verloren in der Khurd-Kabul-Schlucht in der Nähe von Kabul zwischen 12000 – 16500 Menschen ihr Leben ( darunter ca. 4500 britisch-indische Soldaten). vgl. Anglo-Afghanische Kriege
Heute ( 2009 ) stellt die U.S.A. mit 34 800 Soldaten vor Groß Britannien mit 9000 Soldaten das größte Kontingent der Nato-ISAF-Truppen. Deutschland liegt an dritter Stelle mit 4365 Soldaten.( Truppenkontingente der ISAF nach truppenstellenden Nationen Stand: 22.10.2009 ). Leider habe ich keine aktuelle Zahl der heute insgesamt schon getöteten Menschen durch den Krieg in Afghanistan gefunden.
Dafür eine ( ganz aktuelle ) Ballade zur Tragödie am Hindukusch
( wurde erstmals 1860 in der Literaturzeitschrift Argos veröffentlicht):

Das Trauerspiel von Afghanistan
Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält,
»Wer da!« – »Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan.«

Afghanistan! Er sprach es so matt;
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Kommandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.

Sie führen ins steinerne Wachthaus ihn,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin,
Wie wärmt ihn das Feuer, wie labt ihn das Licht,
Er atmet hoch auf und dankt und spricht:

»Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Kabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind,
Erstarrt, erschlagen, verraten sind.

Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt.«

Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all',
Sir Robert sprach: »Der Schnee fällt dicht,
Die uns suchen, sie können uns finden nicht.

Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,
So laßt sie's hören, daß wir da,
Stimmt an ein Lied von Heimat und Haus,
Trompeter blast in die Nacht hinaus!«

Da huben sie an und sie wurden's nicht müd',
Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,
Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.

Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
Laut, wie nur die Liebe rufen mag,
Sie bliesen – es kam die zweite Nacht,
Umsonst, daß ihr ruft, umsonst, daß ihr wacht.

Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.

Theodor Fontane ( ca. 1842 entstanden)

Habe heute morgen den Zeitungsartikel ( aus: Stuttgarter Nachrichten) : „Das zweite Leben“ des ehemaligen Bundeswehrsoldaten Stefan Deuschl gelesen. Fontanes Gedicht war sofort präsent.

27
Okt
2009

haiku 10

Istrien-2008-282-
drachenbrunnenblatt
aus weißem porzellan sprießt
jadegrüner tee
jbs

23
Okt
2009

Hermann Hesse Literaturpreis 2009 für "Privatstunden"

Alain Claude Sulzer komponiert eine melancholische Liebesgeschichte, die er in der Schweiz ansiedelt.
Protagonist ist der geflohene tschechische Medizinstudent, Leo Heger, Anfang 20, ein emfindsamer, intellektueller junger Mann.
Martha Dubach, Schweizerin aus dem gehobenen Bürgertum, Mitte dreißig, verheiratet, zwei Kinder, wird seine Deutschlehrerin. Martha Dubach sowie Leo Heger sind beide auf ihre Weise sehr einsam und mit der Zeit entsteht eine Nähe zwischen ihnen, der sie sich nicht mehr entziehen können. Sie lassen sich auf eine heimliche zärtliche Liebesaffäre ein, die ihr Ende findet, als Leo sich entschließt, nach Amerika auszureisen.

Parallel dazu taucht Olga mit ihrem Hund Mazko auf. Olga ist Leos Großmutter, die alleine ausserhalb ihres tschechischen Heimatdorfes in einem verfallenem Haus wohnt. Für ihre weit entfernten Nachbarn ist sie eine verschrobene Alte, die allerdings im Einklang mit ihrem Hund und ihren Hühnern lebt. Ein Schlüsselerlebnis treibt sie zu einer endgültigen furchtbaren Entscheidung.

In einem weiteren Erzählstrang taucht der Vater von Martha Dubach auf. Ein kranker alter Mann, der nicht mehr spricht, am Leben kaum teilnimmt und seit eineinhalb Jahren in einer Klinik lebt. Er wird im späteren Verlauf der dramatischen Erzählung ein wichtiger Zuhörer für Andreas, dem sechzehnjährigen Sohn von Martha Dubach, und von Martha selbst.

Privatstunden ist ein eindringliches Seelendrama, bei dem mich besonders Olgas Schicksal sehr nachdenklich gemacht hat, obwohl sie nicht den Mittelpunkt der Erzählung bildet.
Durch die verschiedenen Erzählstränge und die verschiedenen parallel erzählten Zeiten wirkt der Roman lebendig und sehr persönlich.
Der Autor faszinierte mich, wie er mit leiser Stimme tiefe Gefühle ausdrückt, u.a. (Zitat) S.166:

„ Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr vergingen wie Wochen, die Stunden wie Tage, und in keiner der qualvoll gedehnten Minuten fühlte Martha sich frei genug, Leo und die winterliche Nacht zu vergessen, in der er sie umarmt und geküßt hatte, als wäre sie nicht sie selbst. Er hatte sie umarmt und geküßt, auf die Stirn, auf die Wangen, auf die Lippen, sogar auf die Ohren, und er hatte so eindringlich auf sie eingeredet, daß die Wörter nun wie Widerhaken an ihr hafteten, an ihrem Körper und in ihrem Kopf, eigentlich waren es nicht Wörter, sondern jene Vokale und Konsonanten, mit denen sie gebildet worden waren, denn, die meisten dieser Wörter hatte sie doch gar nicht verstanden. Über seinen Zärtlichkeiten, die nicht ohne Heftigkeit gewesen waren, war ihm die neue Sprache, ihre Sprache, zum größten Teil entfallen, und so hatte er sich der alten, seiner eigenen Sprache bedient, um auszudrücken, was ihm auf dem Herzen lag, und sie hatte es nicht für angebracht gehalten, ihn zu belehren, nicht in dieser Situation.
Sie fragte sich im nachhinein, ob sie selbst überhaupt gesprochen hatte, sie erinnerte sich nicht. Sie hatte, was geschah, mit dem Wohlbehagen einer Katze über sich ergehen lassen, die nach langer Abwesenheit von ihrem Herrn gestreichelt wird, ein Gefühl, das ihr neu war, und so durchlebte sie es auch weiterhin, immer wieder, tagsüber und nachts, durchlebte es, obwohl Leo nicht da war, und spürte immer noch und immer wieder, wie er sie berührte und mit ihr sprach.“

22
Okt
2009

haiku 9

Budapest-10-09-158

morbide schönheit
trauernde aus kaltem stein
wacht in budapest
jbs

10
Okt
2009

Frieden und Literatur 2009

Die drei Fragezeichen ??? zur Verleihung des Friedensnobelpreises und des Nobelpreises für Literatur.
Bestimmt werde ich das eines Tages verstehen!

7
Okt
2009

haiku 8

ein spalt im himmel
zwischen cumulus und wind
füllers tintenblau
jbs

Ultental-Suedtirol-138
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lou salome

"Vielleicht war vor den Lippen schon das Flüstern da und ohne Bäume tanzte schon das Laub."Ossip Emiljewitsch Mandelstam

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Zuletzt aktualisiert: 18. Nov, 22:26

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