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LLLL

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Die Elenden von Łódź

23
Jan
2010

haiku20

Polihale-State-Park02
db polihale-state-park 2010

weisse gischt liegt satt
auf blauer brandungswelle
plötzlich bin ich nass
jbs

21
Jan
2010

Eine Suche nach dem Stellenwert des Glücks

und
Ein Stadtportrait
und
Ein Gesellschaftsprotait

Mit dem 1995 erschienenen Buch „33 Augenblicke des Glücks“ erlangte Ingo Schulze große schriftstellerische Anerkennung und startete damit seine Schriftstellerlaufbahn.

Ich habe heute sein Buch nun doch fertig gelesen, obwohl ich nach der Küchen-Sauna-Kannibalismus-Erzählung aufgehört hatte, Schulze weiterhin meine Zeit und Neugierde zu schenken. Schon in den vorangegangenen Erzählungen steckte soviel morbider Inhalt, dass ich mich frage, wie es zu soviel positiver Resonanz kommen kann. Seine detaillierte Stadtbeschreibung, seine z.T. wirklich interessanten Personenportaits und seine genauen Beobachtungen gefallen mir, gar keine Frage. Nur, er bereitet mich als Leserin in keinster Weise auf den Ausbruch vor, den er bei fast jeder Geschichte vollzieht. Ich betrachte beim lesen nicht sozusagen eine „eitrige Geschwulst auf der Haut“, die sich mit der Zeit verschlechtert, um in einem bestimmten Stadium aufzuplatzen. Nein, Schulze bevorzugt den heimlichen Tumor. Der unter dem Schönen wächst und wächst und ohne Vorankündigung explodiert und wie ein Vorschlaghammer wirkt. Ab diesem Zeitpunkt habe ich die vorangegangenen Beschreibungen von Stadt und Mensch vergessen. Und diese Dominanz der Eruption ist mir zu ausgeprägt. Es mag sein, dass Schulze gerade das ja provoziert, denn im Leben sieht es viel zu oft so aus. Aber dann ein Buch „ 33 Augenblicke des Glücks“ zu betiteln? Gut, jeder empfindet sein Glück anders. Der Optimist, der Pessimist, der Kriminelle, der Kranke, der Wohlhabende, der am Existenzminimum lebende, oder, oder.
Im Klappentext steht u.a.: „ ..., weil diese Aufzeichnungen auch die Möglichkeit in sich trügen, die anhaltende Diskussion um den Stellenwert des Glücks zu beleben.“
Ja, das ist ihm auf jeden Fall bei mir gelungen, erneut über das Glück nachzudenken und nachzulesen. Siehe auch hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Birnbacher
http://sammelpunkt.philo.at:8080/1003/1/BirnbacherD1.pdf
Aber es bleibt dabei, Glücksgefühle, diese Prosa gelesen zu haben, sind nicht aufgetaucht und erneut werde ich nun kein Buch mehr von ihm lesen. Zumindest in allernächster Zeit nicht.
( nachgeschoben: Kleiner Fehler im Klappentext, Hofmann wird im Prosatext nur mit einem "f" geschrieben. In Anlehnung und dem Vergleich mit E.T.A. Hoffmann stimmt ja das doppelte "f", aber später ist ja eben der nicht mehr gemeint).


Der Philosoph Dieter Birnbacher erwähnt im e-Journal der Philosophie ein Gedicht von Nietzsche, das gefällt mir:

"Mein Glück!"
Friedrich Nietzsche
Die Tauben von San Marco seh ich wieder:
Still ist der Platz, Vormittag ruht darauf.
In sanfter Kühle schick' ich müssig Lieder
Gleich Taubenschwärmen in das Blau hinauf —
Und locke sie zurück,
Noch einen Reim zu hängen in's Gefieder
— mein Glück! Mein Glück!

Du stilles Himmels-Dach, blau-licht, von Seide,
Wie schwebst du schirmend ob des bunten Bau's,
Den ich — was sag ich? — liebe, fürchte, neide ...
Die Seele wahrlich tränk' ich gern ihm aus!
Gäb' ich sie je zurück? —
Nein, still davon, du Augen-Wunderweide!
— mein Glück! Mein Glück!

Du strenger Turm, mit welchem Löwendrange
Stiegst du empor hier, siegreich, sonder Müh!
Du überklingst den Platz mit tiefem Klange
Französisch, wärst du sein accent aigu?
Blieb ich gleich dir zurück,
Ich wüsste, aus welch seidenweichem Zwange...
— mein Glück! Mein Glück!

Fort, fort, Musik! Lass erst die Schatten dunkeln
Und wachsen bis zur braunen lauen Nacht!
Zum Tone ist's zu früh am Tag, noch funkeln
Die Gold-Zieraten nicht in Rosen-Pracht,
Noch blieb viel Tag zurück,
Viel Tag für Dichten, Schleichen, Einsam-Munkeln
— mein Glück! Mein Glück!

20
Jan
2010

haiku 19

röiven als elster
lenores ring im schnabel
nevermore never
jbs Budapest-10-09-085

Bronsteins Kinder

Autor: Jurek Becker ( 1937 – 1997 )

Liebe Ana, lieber Matti,
ich habe versucht, „Bronsteins Kinder“ zu verstehen und stelle Euch hier meine Gedanken dazu vor, vielleicht können sie Euch bei den Prüfungsvorbereitungen eine Stütze sein. Aber deshalb nicht vergessen, selbst lesen!!! ( Dies ist auch der Grund, weshalb ich die Inhaltsangabe nur stark gekürzt wiedergebe).
Viel Erfolg :) wünscht
lou-salome

Thematische Aspekte

Selbstjustiz im Hinblick auf die NS-Verbrechen: Geiselnahme und Verhör unter Folter des ehemaligen KZ-Aufsehers Arnold Heppner
Vater-und-Sohn-Konflikt: Mangelnde gegenseitige Anerkennung, es findet keine Kommunikation statt
Generationskonflikt: Kein gemeinsamer Erfahrungshorizont von Vater und Sohn
Täter als Opfer: Arnold Heppner, ehemaliger KZ-Aufseher, wird 30 Jahre nach dem Holocaust Geiselopfer
Opfer als Täter: Arno Bronstein, Gordon Kwart und Erik Rotstein, ehemalige KZ-Insassen und Opfer, werden 1973 zu Tätern
Liebesgeschichte: Die Liebe von Hans Bronstein und Martha Lepschitz kühlt ab und hat keine gemeinsame Zukunft
Bruder-Schwester-Geschichte: Gegenpole
Initiationsgeschichte: Vom Erwachsenwerden eines Jugendlichen

Zum Inhalt des Buches

Zwei Erzählstränge führen zum entscheidenen Ereignis hin: In Rückblenden ( Präteritum,1973, erinnerte Zeit) werden zum einen die Erlebnisse des Ich-Erzählers, Hans Bronstein, zur Zeit seines Abiturs bis zum (Herz-)Tod seines Vaters im August 1973 wiedergegeben. Eine weitere Zeitebene ist zum anderen die Zeit nach dessen Tod. Die Gegenwart ( Präsens, 1974, erlebte Zeit) des Erzählers ist im Jahr 1974 angesiedelt.
Es gibt drei zeithistorische Hinweise: Die Weltfestspiele der Sozialistischen Jugend in Ost-Berlin 1973, der Tod Walter Ulbrichts 1973 und der Rücktritt Willy Brandts 1974.
Elf Tage lang dauert 1973 ein Verhör, unter Folter, des ehemaligen KZ-Aufsehers Arnold Heppner in einem entlegenem Waldhaus bei Berlin. Elf Tage lang versucht der Abiturient Hans Bronstein seinen Vater Arno Bronstein davon zu überzeugen, dass es ein großes Unrecht ist, diesen Mann gefangen zu halten. Vater und Sohn vertreten völlig entgegengesetzte Standpunkte und vernünftige Gespräche und Verständigung sind nicht möglich. Arno Bronstein und seine zwei Freunde Gordon Kwart und Erik Rotstein, alle drei Opfer des Nationalsozialismus im Lager Neuengamme, sind von ihrem Handeln überzeugt.
Hans Bronstein erzählt rückblickend von der Entdeckung dieser Vorgänge im Waldhäuschen seines Vaters, in welcher Hans sich häufig mit seiner Freundin Martha zu einem Rendevous getroffen hatte. Zu seinem Unglück entdecken ihn die Geiselnehmer und er fängt an, sich in Lügen zu verstricken. Martha erzählt er allerdings nichts von den Geschehnissen im Häuschen und seine Gespräche mit dem Vater eskalieren. Der Vater sieht ihn sogar als Feind an.
Hinweise auf die zerrüttete Vater-Sohn-Beziehung sind z.B. auch die stark vernachlässigte/ verschmutzte Wohnung, die mageren bis gar keine Einkäufe, so daß Hans hungern muß und durch die Entdeckung, dass der Vater eines nachts mit seinen Freunden im Nebenzimmer Jiddisch spricht, fühlt er sich hintergangen.
Die siebzehn Jahre ältere Schwester Elle lebt in einer psychiatrischen Anstalt. Zu ihr hat Hans guten Kontakt. Er besucht sie und vertraut sich ihr an. Aber die erhoffte Hilfe kann sie ihm nicht geben.
Vor seiner Abitur-Schwimmprüfung schlägt Hans im Duschraum seinen Mitschüler Norbert Waltke zu Boden. Hans projiziert in Waltkes Verhalten Nazimethoden, die in ihm offene Aggressionen auslösen. Waltke nimmt nach einem Lehrer-Schüler-Gespräch die Entschuldigung von Hans an, doch Hans ärgert sich weiter: (S. 47)
„ Beim Abtrocknen verstand ich den Sinn seiner Worte. Ich hörte förmlich, womit mein Lehrer Sowade ihn besänftigt hatte: Das Schild, ( Anm. zum Schild in der Dusche: Badekleidung sei beim Duschen abzulegen) du hast schon recht, es gilt für alle, keine Frage, auch für ihn ( für Hans). Aber die Angelegenheit hat noch einen zweiten Aspekt, von dem du ( Waltke) nichts wissen konntest, und zwar: Hans ist Jude. Es kann da leicht Empfindlichkeiten geben, von denen unsereins nicht ahnt. Ich hoffe, du verstehst.“Hans ärgert sich, denn jetzt ist ihm eine Rolle zugewiesen worden, die er nicht haben will und mit deren Implikationen er sich nicht identifizieren kann: Die Rolle des Juden und damit Opfer, an dem wieder gutzumachen ist.
Hans hatte nämlich, gedankenverloren über die Waldhaussituation, vergessen, seine Badehose beim Duschen auszuziehen. Und der Lehrer erklärte Waltke das warum: Das Glied der Juden sei beschnitten und deshalb ... . Hans hätte gerne diesen Irrtum aufgeklärt, denkt sich seinen Teil jedoch nur: „ ... ich bin, entgegen Ihrer Vermutung, nicht beschnitten.“
Weitere Konflikte, nun auch mit Martha, die eine Nebenrolle in einem Filmprojekt annimmt, in der sie ein jüdisches Mädchen verkörpert. Hans kann das überhaupt nicht befürworten. Nur Martha geht mit der jüdischen Zugehörigkeit viel besser um als Hans und geht selbstbewusst ihren beruflichen und persönlichen Weg. Die Trennung des Paares ist offensichtlich.
Der Tod von Arno Bronstein stürzt Hans in eine Krise. Die Eltern von Martha, Herr und Frau Lepschitz, nehmen Hans bei sich auf. Ein Jahr lang wird er nun bei ihnen in der Wohnung leben, wie „eine Stubenfliege“.
(Im Judentum wird das Trauerjahr „Awelut“ genannt)
Nach dem Jahr sucht er, mit der Hilfe von Martha, die ihm wenigstens Freundin geblieben ist, eine neue Wohnung und wird Philosphiestudent.

19
Jan
2010

Lyrik, Lyrik

Ultental-Suedtirol-088
jbs

Adelbert von Chamisso

Frisch gesungen

Hab' oft im Kreise der Lieben
Im duftigen Grase geruht
Und mir ein Liedlein gesungen,
Und alles war hübsch und gut.

Hab' einsam auch mich gehärmet
In bangem, düsterem Mut
Und habe wieder gesungen
Und alles war wieder gut.

Und manches, was ich erfahren,
Verkocht' ich in stiller Wut.
Und kam ich wieder zu singen,
War alles auch wieder gut.

Sollst nicht uns lange klagen,
Was alles dir wehe tut,
Nur frisch, nur frisch gesungen!
Und alles wird wieder gut.

1829

Oskar Pastior ( 1927 – 2006 )

Der Wortjongleur hat um 1990 eine schöne Miniatur entstehen lassen

Abrakadabra, nachmals

abrakadabra, nachmals,
tartar, nachmals kandahar-
kardan (als das paar am dach
als haarschwamm kam) nachmals spar-
sarg,nachmals makadamma-
dam, nachmals kamtschatka (als
das anagramm banal war)

1992

Das Anagramm ist eine systematische Vertauschung und Neugruppierung von Buchstaben eines bestimmten Wortes.

17
Jan
2010

haiku 18

zart und zerbrechlich
kafkas käfer im gepäck
handelsreisender
jbs

Korsika-1-088

Spanisches Sprichwort

Korsika-2-144
jbs

Wie wundervoll ist es, nichts zu tun und sich anschließend zu schonen.

15
Jan
2010

Aton-Hymnus

Korsika-3-173
jbs

Der Sonnengesang Echnatons

Enstehungszeit etwa 1345 v.u.Z.
Die erste Zeile nennt den Titel Atons, Echnatons und Nofretete. Der Hymnus beginnt mit: Er (Echnaton) sagt:

Schön erscheinst du
im Horizonte des Himmels,
du lebendige Sonne,
die das Leben bestimmt!
Du bist aufgegangen im Osthorizont
und hast jedes Land mit deiner Schönheit erfüllt.
Schön bist du, groß und strahlend,
hoch über allem Land.

Deine Strahlen umfassen die Länder
bis ans Ende von allem, was du geschaffen hast.
Du bist Re, wenn du ihre Grenzen erreichst
und sie niederbeugst für deinen geliebten Sohn.
Fern bist du, doch deine Strahlen sind auf Erden;
du bist in ihrem Angesicht, doch unerforschlich ist dein Lauf.

Gehst du unter im Westhorizont,
so ist die Welt in Finsternis,
in der Verfassung des Todes.
Die Schläfer sind in der Kammer,
verhüllten Hauptes, kein Auge sieht das andere.
Raubt man alle ihre Habe, die unter ihren Köpfen ist -
sie merken es nicht.
Jedes Raubtier ist aus seiner Höhle gekommen,
und alle Schlangen beißen.
Die Finsternis ist ein Grab,
die Erde liegt erstarrt,
ist doch ihr Schöpfer untergegangen in seinem Horizont.

Am Morgen aber bist du aufgegangen im Horizont
und du leuchtest als Sonne am Tage;
du vertreibst die Finsternis und schenkst deine Strahlen.
Die Beiden Länder sind täglich im Fest,
die Menschen sind erwacht
und stehen auf den Füßen, du hast sie aufgerichtet.
Rein ist ihr Leib, sie haben Kleider angelegt,
und ihre Arme sind in Anbetung bei deinem Erscheinen,
das ganze Land tut seine Arbeit.

Alles Vieh ist zufrieden mit seinem Kraut,
Bäume und Kräuter grünen.
Die Vögel sind aus ihren Nestern aufgeflogen,
ihre Schwingen preisen den Ka.
Alles Wild hüpft auf den Füßen,
alles, was fliegt und flattert, lebt,
wenn du für sie aufgegangen bist.
Die Lastschiffe fahren stromab
und wieder stromauf,
jeder Weg ist offen durch dein Erscheinen.
Die Fische im Strom springen vor deinem Angesicht,
deine Strahlen sind im Innern des Meeres.

Der du den Samen sich entwickeln lässt in den Frauen,
der du Wasser zu Menschen machst,
der du den Sohn am Leben erhältst im Leib seiner Mutter
und ihn beruhigst, so dass seine Tränen versiegen -
du Amme im Mutterleib! -
der du Atem spendest,
um alle Geschöpfe am Leben zu erhalten.
Kommt (das Kind) aus dem Mutterleib heraus,
um zu atmen am Tag seiner Geburt,
dann öffnest du seinen Mund vollkommen
und sorgst für seine Bedürfnisse.

Das Küken im Ei,
das schon in der Schale redet -
du gibst ihm Luft darinnen, um es zu beleben.
Du hast ihm seine Frist gesetzt,
(die Schale) zu zerbrechen im Ei;
es geht hervor aus dem Ei,
um zu sprechen zu seiner Frist,
es läuft schon auf den Füßen, wenn es herausgekommt aus ihm.

Wie zahlreich sind deine Werke,
die dem Angesicht verborgen sind,
du einziger Gott, dessengleichen nicht ist!
Du hast die Erde geschaffen nach deinem Wunsch, ganz allein,
mit Menschen, Vieh und allem Getier,
mit allem, was auf der Erde ist,
was auf den Füßen umherläuft
und allem, was in der Höhe ist und mit seinem Flügeln fliegt.

Die Fremdländer von Syrien und Nubien,
dazu das Land Ägypten -
jeden stellst du an seinen Platz und sorgst für seine Bedürfnisse,
ein jeder hat seine Nahrung, seine Lebenszeit ist bestimmt.
Die Zungen sind verschieden im Reden,
ebenso ihre Wesenszüge;
ihre Hautfarbe ist verschieden, denn du unterscheidest die Völker.

Du schaffst den Nil in der Unterwelt
und bringst ihn herauf nach deinem Willen,
die Menschen am Leben zu erhalten, da du sie geschaffen hast.
Du bist ihrer aller Herr, der sich abmüht an ihnen,
der Herr aller Lande, der für sie aufgeht,
du Sonne des Tages, gewaltig an Hoheit!
Selbst alle fernen Fremdländer erhältst du am Leben,
hast du doch einen Nil an den Himmel gesetzt,
dass er zu ihnen herabkomme
und Wellen schlage auf den Bergen, wie das Meer,
um ihre Felder zu befeuchten mit dem, was sie brauchen.
Wie wirksam sind deine Pläne, du Herr der Ewigkeit!
Den Nil am Himmel, den gibst du den Fremdvölkern
und allem Wild der Wüste, das auf Füßen läuft;
aber der wahre Nil kommt aus der Unterwelt nach Ägypten.

Deine Strahlen säugen alle Felder -
wenn du aufgehst, leben sie und wachsen für dich.
Du schaffst die Jahreszeiten, um alle deine Geschöpfe sich entwickeln zu lassen -
den Winter, um sie zu kühlen,
die Sommerglut, damit sie dich spüren.
Du hast den Himmel fern gemacht, um an ihm aufzugehen
und alles zu schauen, was du geschaffen hast.

Einzig bist du, wenn du aufgegangen bist,
in all deinen Erscheinungsformen als lebendiger Aton,
der erscheint und erglänzt,
sich entfernt und sich nähert;
du schaffst Millionen von Gestalten aus dir allein -
Städte Dörfer und Äcker,
Wege und Strom.
Alle Augen sehen sich dir gegenüber,
wenn du als Sonne des Tages über dem Land bist.

Wenn du gegangen bist, dein Auge nicht mehr da ist,
das du um ihretwillen geschaffen hast -
auch dann bleibst du in meinem Herzen,
und kein anderer ist, der dich kennt,
außer deinem Sohne Nefercheprure Uanre,
den du dein Wesen und deine Macht erkennen lässt.

Die Welt entsteht auf deinen Wink, wie du sie geschaffen hast.
Bist du aufgegangen, so leben sie,
gehst du unter, so sterben sie;
du bist die Lebenszeit selbst, man lebt durch dich.
Die Augen ruhen auf deine Schönheit, bist du untergehst,
alle Arbeit wird niedergelegt, wenn du untergehst im Westen.
Der Aufgehende stärkt alle Arme für den König,
und Eile ist in jedem Fuß.

Seit du die Welt gegründet hast, erhebst du sie
für deinen Sohn, der aus deinem Leib hervorgegangen ist,
den König Beider Ägypten, Nefercheprure Uanre,
den Sohn des Re, der von Maat lebt,
den Herrn der Diademe, Echnaton, groß in seiner Lebenszeit,
und die Große Königsgemahlin, die er liebt,
die Herrin Beider Länder, Nofretete,
die lebendig und verjüngt ist
für immer und ewig.

Aus dem Felsengrab von Eje

12
Jan
2010

László F. Földényi

Foeld-nyi-2010
Quelle: Internet

aus: Dostojewski liest Hegel in Sibirien und bricht in Tränen aus
" Wenn sich die Ganzheit des Seins, das kosmische Ganze, auf eine technisch manipulierbare Welt reduziert: das ist die Hölle. Dazu sind keine Teufel, hochschlagende Flammen und Seen voller brodelndem Pech nötig. Es genügen das Vergessen und die Illusion, die Grenze des Menschen sei nicht das Göttliche, sondern das Greifbare, und der Nährboden seines Geistes sei nicht das Unmögliche, sondern das überaus langweilige und vernünftige Mögliche."

Gewicht des Buches: 66 g
Gewicht des Inhaltes: nicht messbar.

Földényis Herz schlägt für Dostojewski. Eindeutig.
Hegel muss in diesem Büchlein mächtig Abstriche machen. Für Hegelkenner dürfte diese Lektüre eine Herausforderung sein. Für mich Nichtphilosophin eine inhaltsreiche und -schwere Lektüre, trotzdem verständlich geschrieben und unbedingt lesenswert - auch weitere Male.

haiku 17

Eingangstor vor der Magyar Nemzeti Galéria, Budapest, 2009

Budapest-10-09-084
der magyar lädt ein
durch geöffnete tore
ungarns geschichte
jbs

10
Jan
2010

Das Designer-Logo


Kopie aus dem Internet; Om mani padme hum, Potala Palace, Tibet

Vom Nachbarblog Tiniaden habe ich mich inspirieren lassen, zwei Passagen aus "Schöner meditieren"zu zitieren.

aus: Schöner meditieren: der esoterisch verhunzte Buddhismus( Seite 7 – Seite 9 )
von: Ludger Lütkehaus
Basilisken-Presse 1995

„In seinem achtzigsten Jahr, kurz vor seinem Erlöschen, das wahrscheinlich durch den Verzehr von Schweinefleisch bedingt war, hatte der Buddha noch einmal eine beunruhigende Vision. Da half es ihm auch nichts, daß er nun schon seit vielen Jahrzehnten der vollständig Erwachte war. Wie in jener großer Stunde, da sich ihm der Zusammenhang allen Leidens und der Weg zur Befreiung daraus enthüllt hatte, saß er unter dem Bodhi-Baum, dem Baum der Erkenntnis, von dem er im Gegensatz zu seinen Brüdern und Schwestern im Westen gegessen hatte und durfte; die Beine hatte er inainandergeschlagen, die Hände ineinandergelegt. Doch diesmal wurde ihm nicht die innere Ruhe zuteil. Vor seinem geistigen Auge sah er vielmehr eine große Zahl weißer Menschen auf sich zukommen, von denen viele wie er und seine Jünger gekleidet waren. Sie führten große Leuchten mit sich, die heller, aber auch greller als Kerzen brannten. Dazu schoben einige von ihnen ein auf Rädern rollendes Gerüst vor sich her, auf dem etwas war, das wie ein großes schwarzes gläsernes Auge aussah.
Als sie bei ihm angekommen waren, falteten sie die Hände vor der Brust und warfen sich so vor ihm nieder, daß ihre Stirnen den Boden berührten. Dann streuten sie ihm Blumen und entzündeten Räucherstäbchen. Auch brachten sie Weihrauch und Myrrhe. Wohlriechende Düfte verbreiteten sich. Die Leuchten und das Auge aber richteten sie auf ihn. Nach einer Weile räusperte sich einer von ihnen, der ihr Anführer sein mußte. Mit ehrerbietiger Stimme sprach er den vollständig Erwachten, der zu schlafen schien, an, und begann, ihm einige Fragen zu stellen. „Wer bin ich?“ fragte er. „Wer war ich vor meiner Geburt? Wer werde ich nach meinem Tode sein?“ Was er aber auch fragte, das „Wer“ und das „Ich“ kehrten immer wieder. Wie hätte der Buddha dem Fragenden sagen können, daß da kein Ich, sondern nur der Zusammenhang allens Leidens und der Weg aus dem Leiden war.
Als der vollständig Erwachte auch jetzt noch die Augen geschlossen hielt, machte sich erst Ratlosgikeit, dann Ungeduld bei den Angekommenen breit. Selbst der Buddha fühlte einen Augenblick lang die Versuchung, ungeduldig zu werden. Sein guter Freund Mara, der Gegenspieler, der Versucher, hatte augenscheinlich die Gestalt des weißen Mannes angenommen. Wie befreiend wäre es, die Störenfriede aus der Stille des Boddhi-Haines zu vertreiben.
Doch der Buddha blieb bei sich und schwieg. Die entzürnten Ankömmlinge aber schickten sich sc,hließlich wieder zum Gehen an. Ihr Anführer rief ihnen zu:“ Kommt, laßt uns einen anderen, den wirklichen Buddha suchen, nicht diesen blindenn Schweiger; den Buddha, den wir anbeten können, der uns zeigt, wer wir sein werden und wer er selber sein wird, wenn sein Leib nicht mehr ist.“ Dann kehrten sie dahin zurück, von wo sie aufgebrochen waren. Und dort fanden sie in der Tat bald einen Buddha, der nach ihrem Geschmacke war. Freilich hatte er mit dem Buddha unter dem Bodhi-Baum nur wenig Ähnlichkeit.“

Lütkehaus äussert sich u.a. zum lamaistischen und tibetischen Buddhismus, sowie zum Film: „Little Buddha“.

weiter auf Seite 10:
„ Den Film hätte man mit Ausnahme einiger Szenen schnell vergessen können. Aber er ist im höchsten Maße symptomatisch für die Verhunzung, die dem Buddhismus derzeit im esoterisch spiritualisierten Westen widerfährt. Ein ästhetischer und mystifizierter Buddhismus aus der Meditations-Boutique ist das: Ausdruck einer Zivilisation, die auf der Suche nach etwas ganz anderem zu sein behauptet, aber immer nur sich selber wiederfinden will. „Schöner meditieren“, lautet das Designer-Logo dieses Konsum-Buddhismus.“

Schlusssatz:
„ Auf dem Gesicht des Buddhas unter dem Bodhibaum aber, als seine Vision dieses Ende genommen hatte, zeigte sich ein Lächeln, von dem man nicht sagen konnte, ob es milde oder nur müde war.“
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"Vielleicht war vor den Lippen schon das Flüstern da und ohne Bäume tanzte schon das Laub."Ossip Emiljewitsch Mandelstam

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