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LLLL

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24
Jan
2012

MyschkinSonderPreis

Ende des Monats, am 30. Januar 2012, wird im Pariser Théatre de l'Odéon dem italienischen Psychiater Gaetano Benedetti ein Sonderpreis des Myschkin-Preises verliehen. Seine lebenslange Bemühung um das Verständnis und die Behandlung schizophrener Erkrankungen soll damit gewürdigt werden.

Siehe hier: http://www.hfg-karlsruhe.de/news/hfg-karlsruhe-verleiht-myschkin-preis.html

Es ranken sich viele Mythen um den Begriff Schizophrenie.
Übersetzt bedeuten die Begriffe „schizo“ „ich spalte“ und „phren“ kann mit „der Geist“ übersetzt werden. Somit also „Bewusstseins- oder Geistesspaltung“ und gerade das ist irreführend!
Nach dem Psychiater Kurt Schneider ( 1887 – 1967 ) wird Schizophrenie wie folgt definiert:

„Die Schizophrenie zeichnet sich durch abnorme Erlebnisweisen aus, die die Wahrnehmung, das Erleben, Fühlen und Denken des Patienten betreffen.“

Fällt dieser Begriff in der Öffentlichkeit, dann löst er bei vielen Menschen Ängste und Unsicherheit aus. Ein Grund ist u.a. der Mythos, der sich um diesen Begriff rankt. Viele meinen, es handelt sich bei dem Erkrankten um Persönlichkeitsspaltungen oder um chronisch Verfolgte und alles was unheimlich ist oder Angst einflößt, wird verzerrt weitererzählt.

Leider wird der Begriff der Schizophrenie heute nicht mehr nur im medizinischen Sinne für eine ganz bestimmte Gruppe psychischer Erkrankungen verwendet. Medien haben diesen Begriff für sich entdeckt und verwenden ihn unkritisch. Alles was schwer verständlich, schlecht nachvollziehbar, widersprüchlich oder gewalttätig ist, ist „schizophren“. „Schizo“ ist heutzutage eine gängige Metapher der Abwertung und Distanzierung geworden. Also eine Vokabel, die nicht nur im journalistischen, sondern auch im politischen und bei den Teenagern häufig zum Sprachgebrauch gehört.
Zudem trägt überschäumende (Informations-) -Berieselung zu einem falschen Bild der Erkrankung bei. Denkt man an die Horrorverfilmung „Dr Jekyll und Mr. Hyde“ oder an dem übervollen Angebot der Psychothriller. Der Begriff „Schizophrenie“ ist dadurch stark belastet.

Es ist ein allzu-menschliches Phänomen, dass wir Menschen im Unterschied zu anderen Lebewesen um unser Selbstverständnis ringen zu müssen, besondere Fähigkeiten besitzen, an sich zweifeln, andere zu bezweifeln und dabei auch manchmal zu verzweifeln, über uns hinaus zu denken und uns dabei zu verlieren.

Wer längere Zeit verzweifelt ist und kein Halt und Trost findet, wer es nicht mehr schafft, seine Gefühle mitzuteilen und sie nicht mehr aushält, kann depressiv werden.

Wer sich selbst verliert, verliert auch seine Grenzen zu anderen. Dementsprechend verändert sich die Art, Dinge und Menschen um sich herum wahrzunehmen. Gedanken können sprunghaft und nicht sehr logisch sein.

Dauert dieser Zustand an, spricht man von Psychosen.
Wer psychotisch wird, ist also kein „Wesen vom anderen Stern“, reagiert nicht menschen-untypisch, sondern nur allzu-menschlich.

Da Stimmung und Wahrnehmung zusammenhängen, erscheint eine Trennung künstlich. Letztlich ist jede Psychose anders und immer in ihrer individuellen Besonderheit, im sozialen Zusammenhang und mit all ihren subjektiven Bedeutungen zu betrachten. Nur so ist es möglich, ansatzweise zu verstehen, wie ein Mensch dazu kommt, vorübergehend die Realität zu übersteigen, aus der Realität auszusteigen. Nur so kann auch eine therapeutisch tragfähige Beziehung entstehen, die Grundlage für jede Behandlung ist. Jede schematische Betrachtung führt zu „standardisierter“ Behandlung. Die aber ist gerade bei Psychosen mit Sicherheit unangemessen. „Psychose-Erfahrene“ spüren sehr genau und reagieren empfindlich, wenn sie nicht als individuelle Personen wahrgenommen und mit entsprechendem Respekt behandelt werden.

Immer noch ist die Schizophrenie, trotz Vielzahl neuer und guter Behandlungsmöglichkeiten eine schwere psychische Krankheit! Da ihre Entstehung multikausal determiniert ist, gibt es also nicht die Ursache der Schizophrenie.
Es gilt als etablierte Meinung, dass die Krankheit Schizophrenie durch ein Zusammenwirken verschiedener, biologischer wie psycho-sozialer Faktoren begünstigt, ausgelöst und aufrechterhalten wird.
Das Modell, nach welchem sich die moderne Schizophrenieforschung die Entstehung der Krankheit erklärt, nennt sich

→ Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modell

Versucht wird hier, verschiedene Wirkfaktoren in einer einzigen Entstehungshypothese zu vereinen.

In einer Reportage von Klaus Simmering, die leider auf youtube nicht mehr zur Verfügung steht, wird sehr lebendig und berührend von drei Menschen erzählt, die an Schizophrenie leiden. Der wissenschaftliche Teil dieser Reportage aus verschiedenen Kliniken Deutschlands ergänzt in meinen Augen hervorragend.

Der Film heißt: „Ich bin schizophren, aber nicht verrückt“ Das Geheimnis der Schizophrenie
Eine Spurensuche von Klaus Simmering; Fernsehaufzeichnung ( MDR und ARTE ).
http://www.irrsinnig-menschlich.de/html/film___fernsehen.html
( Zur Filmvorstellung auf der angezeigten ganz runterscrollen ... der letzte Eintrag auf der Seite)

Bei der Recherche nach obiger Reportage habe ich diesen Film entdeckt, der beim deutschen Jugendfilmpreis 2012 eingereicht wurde:

F20.0
http://www.youtube.com/watch?v=VnDR0sQRt1s
F20.0 ist übrigens die Klassifikation nach ICD-10 ( Diagnoseschlüssel).


Quellenangabe für meine obige Einführung in die Schizophrenie:

Tölle, Windgassen: Psychiatrie, 14. Auflage, Springer Verlag

Informationsbroschüre Schizophrenie
http://www1.ct-arzneimittel.de/files/im/CT%20Schizophrenie_2007_komprimiert.pdf

"Ich bin schizophren, aber nicht verrückt“ Das Geheimnis der Schizophrenie
Eine Spurensuche von Klaus Simmering; Fernsehaufzeichnung ( habe ich als Videokassette)

Internetseite:
http://www.irrsinnig-menschlich.de/html/news.html

Kompetenznetz Schizophrenie
http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de/rdkns/index.htm

Bschor, Grüner: 6 h Crashkurs Psychiatrie fast, 3. Auflage, Börm-Bruckmeier

20
Jan
2012

Der Gesang der Schneckenhäuser

„Der Gesang der Schneckenhäuser“ ein Roman von Marion Tauschwitz
erschienen 2011 im Verlag André Thiele, 209 Seiten

Vorgedanken zum Buch


Es gibt Themen, mit denen sich der Mensch nicht sehr gerne beschäftigt. Er grenzt deshalb unangenehme oder unerlaubte Gefühle aus seinem Bewusstsein aus, er verdrängt sie. Er schützt sein Ich mit Verdrängung vor Unbehagen oder Angst.

Ein mit Abscheu und Angst einflößendes Thema ist die sexualisierte Misshandlung an Menschen.

Aktuell und brisant wurde vom Fall des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss im Jahr 2010 in der Öffentlichkeit berichtet. Beim ehemaligen SPD-Politiker Tauss wurde in seiner Privatwohnung belastendes kinderpornografisches Material gefunden. Anfängliche subtile Verdrehungen der Bericht erstattenden Medien sorgten für hochemotionale Reaktionen, denn tausende Kinder in Deutschland werden jährlich Opfer von sexualisiertem Missbrauch.
Diese Kinder finden häufig keine Hilfe, u.a. auch, weil viele Erwachsene wegsehen oder sich gelähmt fühlen, sich dem Unfassbaren entgegenzustellen. Abhängig und ausgenutzt bleiben kleine Seelen dem abnormen Treiben Erwachsener ausgeliefert.
( Wo kann Hilfe gefunden werden?: „Keine Gewalt gegen Kinder“ - Links am Ende dieser Buchbesprechung).

Kann die Gesellschaft dagegen steuern?
Ja! Sie kann!
Möglichkeiten bestehen u.a. aus Verbreitung von Wort und Schrift.

Eine zeitgenössische Schriftstellerin aus Heidelberg hat diesen Schritt unternommen. Sie öffnet den Einblick in eine fremde Welt, vor der gefürchtet und auf die abwehrend reagiert wird, weil moralische und ethische Grenzen überschritten werden.


Fremdbestimmte Charaktere

In poetischer Sprache entwirft die Autorin Marion Tauschwitz das Bild einer jungen hübschen Frau, die durch die Heirat eines wohlhabenden Mannes vermeintlich aus der Enge ihres Alltages erlöst wird. Zu spät erkennt sie, welch ein perfides Spiel dieser Mann mit ihr treibt und ein zukünftiges Leben schmiedet, das er für seine abnormen Vorstellungen benutzen wird. Was als Traum, als ein Märchen begann, endet tragisch.

Ihre Beine strampelten ins Leere. Ihre Schreie dämpften das Tuch. Dann lag sie da wie tot.
>> Die Mutter meiner Tochter ist keine Nutte. Du bist keine Nutte.>>
Roh und rhythmisch rammte er ihr die Worte in den Leib.
>> Keine Nutte! Keine Nutte!<<
Hemmungslos wütete er in ihr, bis er schluchzend und zitternd auf ihr zusammensackte. Mariefleure lag starr und unbeweglich. Schmerz und Schock lähmten sie.

Nächtelang lag Mariefleure wach und drehte und wendete die Worte, die sie noch mehr verletzt hatten als der barbarische Überfall selbst: >> Nur dazu bist Du gemacht. Nur dazu habe ich Dich gebraucht.<<
Er hatte sie nie begehrt, sondern als Brutofen für seine Tochter missbraucht.


Erschreckende, beklemmende Szenen wie obig zitierte, streut die Autorin jedoch sparsam in ihrem Roman ein. Die Geschehen werden in der Regel nicht explizit dargestellt. Marion Tauschwitz arbeitet mit Auslassungen, die die Ausgestaltung der Vergewaltigungen der Imagination des Lesers überlässt. Es genügt, dass Serge zum Diner mit seiner minderjährigen Tochter eine weiße Lilie auf den Tisch stellt, der Champagner in den Gläsern perlt und im Bad besinnliche Düfte überschäumen, bevor es zur äußeren und inneren Reinigung, laut des Vaters, kommt. Isabelle blickt zu aufgereihten Schneckenhäusern auf der Glaskonsole im Bad, in die sie hineinkriecht, sich einen Schutzwall für die kommenden schrecklichen 10 Minuten aufbaut - diese Bilder reichen aus.

Serge charismatische Ausstrahlung täuscht fast alle Personen, die mit ihm in Kontakt kommen. Sei es anfangs die Bordellbesitzerin Luzifer oder später die Hausangestellten oder die Lehrer an Isabelle's weiterführenden Schule. Sobald in Serge der Verdacht keimt, diese Menschen fangen an zu ahnen, was sich im engeren familiären Umfeld abspielt, entlässt er sie oder gibt sich als großzügiger Spender aus. Luzifer, die Jahre später einen Versuch unternimmt, ihren ehemaligen Zögling Mariefleure alias Laura wiederzutreffen, wird von ihm regelrecht abgefertigt …

„Die Episode mit „Verona“ ist abgeschlossen. Und damit möchte ich die Bekanntschaft mit Dir nicht weiter pflegen. Muss ich noch direkter werden?“

Damit langen die sparsamen Beschreibungen der Nebenakteure in diesem Roman. Es ist nicht notwendig, mehr über sie zu erfahren, denn Serge führt mit Mariefleure und Isabelle ein sehr zurückgezogenes Leben, fast in Einsiedelei, da niemand Einblick in sein teuflisches Treiben erhalten darf. Deshalb reicht die relativ farblos dargestellte Beschreibung der Nebendarsteller ( im Gegenzug: fein gezeichnete Charaktere der Protagonisten), sie müssen sich im Verlauf der Geschichte auflösen, um die Einsamkeit um Mariefleure und Isabelle zu verstärken.

Eine einzige Person bekommt Serge's kriminelle Energie dann doch zu spüren. Es ist ein älterer, etwas debiler ehemaliger Fischer, der in nächster Nachbarschaft zu den Montrudiers am Meer lebt. Liebevoll bestimmt die Autorin seine Rolle. Sein Außenseiterleben kann ihn allerdings nicht vor der Fremdbestimmung durch Serge schützen. Die eingebauten „Finde“-Szenen gefallen mir im gesamten Kontext besonders. Jannick, der alte Seemann, hat ein tagesfüllendes Hobby. Er sammelt besondere Steine am Strand, Hühnergötter, Feuersteine, gibt ihnen je nach Form und Ausstrahlung einen Namen, um sie danach in einer Felsengrotte aufzustellen. Tauschwitz baut in diesen Kapiteln wunderbare Metaphern ein, so zum Beispiel der Fund eines herzförmigen schwarzen Steines. Oder ein taubenähnlicher Stein mit einem Blutstropfen in Herznähe. Als Leser spürt man Yin, Yang und Fengshui, ist man mit Jannick unterwegs.


Verdrängung und Imagination

„Es hatte zehn Minuten gedauert. Eine Minute fühlt 60 Sekunden. Zehn Minuten schmerzen 600 Sekunden lang. Was sind 600 Sekunden gegenüber 86 400 des Tages? Was sind 10 Minuten gegenüber 1440 Minuten eines Tages.“

Diese 10 Minuten, in regelmäßigen Abständen auf Tage, Wochen, Monate und Jahre verteilt, sind für Isabell der Inbegriff der Hölle. Unbewusst greift sie zu Selbstschutzmechanismen, um das perfide sexuelle Treiben des bis dahin heiß geliebten Vaters, auszuhalten. Sie gleitet in eine andere Daseinsform, zieht eine Maske über das entsetzliche Geschehen, indem sie in die von der Mutter geerbten Schneckenhäuser schlüpft. Seit dem unerklärlichen Verschwinden der Mutter führt sie diese zerbrechlichen Schalen mit sich herum, um in Momenten von auswegloser Hilflosigkeit den dort innelebenden Gesang zu entlocken, den ihr die Mutter viele Jahre zuvor hinter den Windungen und Biegungen der Gehäuse mit einem Kuss versiegelt hatte. Akustisch-imaginär lässt sich Isabell in diesen 10 Schattenminuten in ihrer Vorstellung an einen guten sicheren Ort bringen, lässt sich vom Gesang der Schneckenhäuser trösten. Diese Imagination hilft ihr, aus der Hilflosigkeit, dem Vater sexuell ausgeliefert zu sein, herauszukommen.

Alltags leben Vater und Tochter in einem überbordendem Wohlstand, der sich insbesondere durch exquisite Menüs, weite Reisen, herrschaftlichen Häusern, Pferden und großzügigen Sozialspenden auszeichnet. Das gesellschaftliche Umfeld käme nie auf die Idee, in der Person Serge du Montrudier einen Kinderschänder zu sehen. Die Maske des Wohltäters und überbesorgten Vaters sitzt perfekt und täuscht selbst professionelle Mitarbeiter des Jugendamtes, die auf einen Hinweis einer ehemaligen Hausangestellten Isabelle aufsuchen, um nach dem Rechten zu sehen.


Thrillerähnlicher Plot

Der emotionale Konflikt, der sich zwischen Vater und Tochter entfaltet, steigert sich von Kapitel zu Kapitel. Die Spannungskurve nimmt ihren Anfang mit Laura, die einige Jahre nach der Geburt ihrer Tochter Isabelle plötzlich wie vom Erdboden verschwunden ist. Der Leser spürt, dass es zum Romanende hin zu einer Auflösung kommen wird, muss!, viel zu intensiv werden imaginäre Tochter-Mutter-Bilder eingestreut. Fast scheint für Isabelle alles verloren, als eine Wendung für sie eintritt. Mit Hilfe eines Studienkamerades kann sie sich letztendlich aus der Umklammerung des Vaters befreien, wenn auch mit einem tragischen Ende.


Leseeindruck

Mit fast hypnotisierender Sprachmelodie hat mich die Autorin Marion Tauschwitz in ihrem neuen Roman "Der Gesang der Schneckenhäuser" auf eine Reise mitgenommen, deren Spannweite von kulinarischer Üppigkeit, über schöngeistigen Dingen bis hin zum Kindesmissbrauch reicht. Mit der Täter-Opferrolle und deren psychische Dynamik führt die Autorin den Leser souverän, behutsam und sensibel durch eine Welt der psychischen Abgründe. Feinst gezeichnete Charaktere schweben von Seite zu Seite, man befindet sich in einem Sog und entkommt dem nur, wenn man endlich die letzte Seite gelesen hat und das Buch zur Seite legen kann. Dieser Roman, dessen Plot Merkmale eines Psychothrillers aufweist und der mich beim Lesen immer wieder an Daphne du Mauriers "Rebecca" erinnerte, ist ein faszinierendes Buch, jedoch, die Nachdenklichkeit, die sich eingeschlichen hat, begleitete mich einige Zeit.

jbs 2012

Anmerkung zum Schluss:
Dieses Buch ist auch ein Bilderbuch der Metaphern. Wirklich gelungen!

Parallellektüre:

In meinen Augen lässt sich obig besprochener Roman, der äußerst lebensnah geschildert ist, nicht nur in die Reihe von Daphne du Mauriers „Rebecca“ stellen. Auch Buchi Emecheta „Zwanzig Säcke Muschelgeld“ und „Kehinde“ sowie von Saliha Scheinhardt „Frauen, die sterben, ohne dass sie gelebt hätten“ oder „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ von Hannah Green usw. gehören dazu und ihnen sollte Aufmerksamkeit geschenkt werden.


Das Buch „ Der Gesang der Schneckenhäuser“

http://www.vat-mainz.de/buecher/belletristik/tauschwitz-schneckenhaeuser.php

http://www.amazon.de/Gesang-Schneckenh%C3%A4user-Roman-Marion-Tauschwitz/dp/394088457X


Hilfe kann u.a. hier gefunden werden:

gegen-missbrauch e.V.
http://www.gegen-missbrauch.de/

Deutscher Kinderschutzbund:
http://www.dksb.de/CONTENT/SHOWPAGE.ASPX?CONTENT=461&TPL=0

Siehe Gesetzestext aus dem Strafgesetzbuch:
http://dejure.org/gesetze/StGB/176.html


Stichworte: sexualisierter Missbrauch – Waschzwang – Abwehrmechanismus - Verdrängung – Thrillerelemente – Wohlstandsgesellschaft – Imagination

18
Jan
2012

im himmel ein spalt

haiku 8

ein spalt im himmel
zwischen cumulus und wind
füllers tintenblau
jbs

Ultental-Suedtirol-138

9
Jan
2012

Lerchenlieder

„Mit ungeschriebenen Gedichten
das Gehör schärfen
für Lerchenlieder
im Winter.


aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Peyer

8
Jan
2012

Hâvamâl

Hâvamâl

44 Weißt du den Freund, dem du wohl vertraust,
Und erhoffst du von ihm Holdes,
So tausche Gesinnung und Geschenke mit ihm
Und besuch ihn nicht selten.



"Hâvamâl ist nicht ein einzelnes Gedicht, sondern eine kleine Gedichtsammlung; man hat auch von einem "Liederbuch" gesprochen, und zwar in dem Sinne, dass diese Sammlung schon für sich ausgezeichnet war, ehe sie in die große einging. Dies muss allerdings unentschieden bleiben. Die Teile haben sich leicht zu einem losen Ganzen zusammenfügen lassen, da man sie alle Odin als dem Gotte der Weisheit und Erfahrung und des Zaubers in den Mund legen konnte. Er ist "der Hohe", der als Sprecher gedacht ist. Die einzelnen Gedichte sind leicht herauszukennen und voneinander zu lösen, nur sind zwischen einigen von ihnen Verbindungsstücke eingefügt, die eine ganz saubere Trennung der Teile verhindern."

aus: Reclam
Götterlieder der Älteren Edda
Des Hohen Lied. Das Alte Sittengedicht

Öxnadalur
Das Öxnadalur ist ein Tal im Nordosten Islands

http://farm5.staticflickr.com/4005/4575474342_41b12fa9e1_z.jpg


Sigur Rós - isländischer Kult.
Man schreibt über Sigur Rós, er wäre ein Rocktitan, eine Gruppe, die gleichzeitig isländisch skurril klingt und deren laute Eruptionen doch auch eine Präsenz und Kraft haben wie ein winterlicher Nordmeer-Orkan. Episch ausladende Lieder.

Sigur Rós - Ágætis Byrjun
http://www.youtube.com/watch?v=Hrq7ffdV1ro&feature=related

Sigur Ros - Olsen Olsen
http://www.youtube.com/watch?v=8LeQN249Jqw&feature=related

Den Nordmeer-Orkan vermisse ich ein wenig und die angekündigten lauten Eruptionen finde ich in obigen Songs nicht, aber passend zum heutigen Schmuddelwetter sind die beiden Titel auf jeden Fall.

2
Jan
2012

Tandemgleitflug Albinoni & Albatrosse

aus:

Die Möwe Jonathan

"Überwinde den Raum, und alles, was uns übrigbleibt, ist Hier. Überwinde die Zeit und alles, was uns übrigbleibt ist Jetzt."

"Sei, was du bist, entfalte dein wahres Selbst — jetzt und hier, und nichts kann dir im Wege stehen.
So will es das Gesetz der Großen Möwe, das Gesetz des Seins."



Albatrosse & Albinoni im dynamischen Tandemgleitflug

Concerto for Trumpet Op 9 No 2
http://www.youtube.com/watch?v=1jNBTrHPVN4&feature=related

24
Dez
2011

Es gibt zwar viele Welten, viele Sonnen - aber wir haben nur diese eine Erde

Es gibt zwar viele Welten, viele Sonnen - aber wir haben nur diese eine Erde.

Ganz besonders meinen treuen BlogleserInnen, ob sichtbar oder unsichtbar, wünsche ich von Herzen eine friedliche Weihnachtszeit und für das kommende neue Jahr 2ooozwölf Vitalität sowie gute Freunde und Menschen, die begleitend durch das Leben ziehen.
Ich freue mich auf ein neues lou-salome-Blogjahr.



Seit den letzten Weihnachtsfesten hat sich nichts verändert, was Musik und Lyrik dazu anbelangt. Deshalb poste ich heute erneut "Brother in Arms".

Weihnachten-2008-053

Mark Knopfler – Brothers in arms

Diese nebelverhangenen Berge sind jetzt mein Zuhause.
Aber meine Heimat ist da unten,
im flachen Land – dort wird immer meine Heimat bleiben.
Irgendwann werdet ihr zurückkehren,
in eure Täler und auf eure Höfe,
und werdet nicht mehr darauf brennen,
Waffenbrüder zu sein.

Ich habe euer Leid gesehen,
hier, auf den Schlachtfeldern
habe ich eure Feuertaufe erlebt.
Und als die Schlacht heftiger wurde,
als ich schwer verwundet wurde,
in all diesem Schrecken und in der Gefahr
seid ihr mir beigestanden.
Ihr, meine Waffenbrüder.

Es gibt zwar viele Welten, viele Sonnen -
aber wir haben nur diese eine Erde.
Und doch ist es so, als lebten wir
in verschiedenen Welten.

Die Sonne ist zur Hölle gefahren,
und der Mond steigt auf.
Lasst mich Euch Lebewohl sagen.
Jeder Mensch muss sterben.
Aber es steht in den Sternen geschrieben,
und in jeder Linie in euren Handflächen:
Wir sind Narren, wenn wir Krieg führen
gegen unsere Brüder.

http://www.youtube.com/watch?v=9XVVZPefbR4

19
Dez
2011

Monolog I

Monolog I

Sieben Marktstände nach dem Schönschreiber, vor dem Badezelt, inmitten von rot und grün beleuchteten Lindenstämmen, hängen Felle wie zum Trocknen in der Luft. Metallener Glöckchenklang webt sich durch eine Menge, die den fernen Tönen eines Martinshorns keine Konkurrenz machen. Man wird regelrecht getragen, vorbei, rundherum, geradeaus. Fenster alter Fachwerkhäuser sind eingepackt in Tannenwedel, goldene Aluminumsterne und breite rote Schleifen stecken tief in deren Grün. Erinnern an geöffnete Kalendertürchen, aus denen die Schokolade längst herausgenascht ist und nun leuchtende Kerzen das ständige Treiben unterhalb ihrer kalten Nasen festhält. Fein geschnitzte Schlangenköpfchen an langen gedrehten Holzhälsen tragen ellenlange Zeltbahnen, Innenleben aus der Mittelalterzeit umhüllend. Filzbehütete Silberschmiede wachen über Gold und Silber, Fibeln, Ringe und mehr.
Harte Schläge aus der Nachbarschaft. Ein Ledergürtel wird bearbeitet, gelöchert. In Aussicht auf neue Besitzer mit breiten oder schmalen Hüften.
Rauchiger Holzfeuergeruch kriecht über den Platz. Blicke richten sich zu einer Hexenküche, aus der wundersame Düfte hungrige Nasen umschmeicheln. Es bleibt nicht aus, man wird zum Holzlöffel greifen, ihn in eine wohlgefüllte Schale mit fetter Suppe tauchen, Holzofenbrot stippen und essen. Wirte schenken Glühwein aus. Heiß. Vor diesen Ständen muss man besonders lang anstehen. Und dann umschwirren Myriaden von Feuerfunken für kurze Zeit hunderte Schattenköpfe, bevor nach Mitternacht endlich Ruhe einkehren wird.

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"Vielleicht war vor den Lippen schon das Flüstern da und ohne Bäume tanzte schon das Laub."Ossip Emiljewitsch Mandelstam

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